BUDAPEST/Staatsoper: Kurzbericht zum Symposium „Ungarn für Deutschland“ - 5. September 2014

Die Veranstaltung

Die Veranstaltung

Zum Gedenken an die protagonistische Rolle Ungarns zu Beginn des Falls des Eisernen Vorhangs am 10. September 1989 am Neusiedler See an der österreichischen Grenze lud die Staatsoper Budapest Operndirektoren und Pressevertreter aus 16 Ländern zu einer dreitägigen Feier mit Symposium und Operngala nach Budapest ein. Das Symposium am ersten Tag fand im renovierten und in neuem Glanz erstrahlenden, vor einem Jahr wiedereröffneten Erkel-Theater statt, einer der beiden Bühnen der Ungarischen Staatsoper. Es wurde geleitet von KS Prof. Éva Marton und dem Generaldirektor der Ungarischen Staatsoper, Szilveszter Ókovács.

Szilveszter Ókovács und KS Éva Marton

Szilveszter Ókovács und KS Éva Marton

Nach einem internationalen Pressefrühstück mit der Professorin der Akademie der Künste Budapest, KS Éva Marton, Generaldirektor Szilveszter Ókovács, Staatssekretär Gergely Pröhle und Dirigent Péter Halász begann das hochinteressante und debattenintensive Symposium „O Freiheit! Kehrst Du zurück? 1989-2014“ im Erkel Theater. Zunächst sprach der Künstlerische Direktor der Neuen Oper Wien, Walter Kobéra, zum Thema „Making Opera behind the curtain – and now“ und legte Wert auf die Idee, dass sich die neue Oper ihre Spielstätte suchen solle und sich an diesen Raum anpassen und damit Neues schaffen solle: „Piece seeks space.“ Dávid Zsoldos, Berater der Ungarischen Staatsoper, legte sodann zum Thema „Threat or opportunity? Challenges of the digital (op)era“ den enormen Aufschwung der sozialen Medien und insbesondere des live streaming von Opernaufführungen dar, mit in der Tat höchst eindrucksvollen Statistiken.

Walter Kobéra

Walter Kobéra

Ferenc Anger, Künstlerischer Direktor der Ungarischen Staatsoper, sprach danach zum Thema „Directoral styles and changes in the expectations of the audiences in the past 25 years“ und legte dar, wie sich die Aufführungspraktiken und ihre Wahrnehmung im Publikum in Ungarn in den 25 Jahren nach der Wende entwickelt haben. Gyula Szép, rumänischer Intendant mit ungarischen Wurzeln der Ungarischen Oper Kolozsvár – Klausenburg (dem rumänischen Cluj), wo neben einer rumänischen Oper eine insbesondere der bedeutenden ungarischen Minderheit (ca. 30 Prozent) gewidmete ungarische Oper unterhalten wird, berichtet vom Programm seines Hauses und der besonderen Entwicklung nach der politischen Wende, insbesondere was die Zensur betrifft: „Minority styles and changes in Kolozsvár, before and after the change of regime.“ Ronan Allaire, Generaldirektor der Grand Opéra d’Avignon, referierte sodann zum Thema „Theater und Oper“ mit interessanten Statistiken zur Aufführungspraxis bestimmter Werke in Frankreich. Tamás Solymosi, Ballett-Direktor der Ungarischen Staatsoper, berichtete anschließend über die Erfahrungen zu Thema „Ballett und Oper“, was eine intensive Debatte über die Bedeutung des klassischen Balletts vs. modernem Tanz auslöste.

Csaba Káel

Csaba Káel

Aviel Cahn, Intendant und Künstlerischer Direktor der Oper Vlaanderen Antwerp, referierte anschließend nach Ansicht des Autors sehr zutreffend und alle relevanten Parameter nennend zum Thema „The relevance of opera as an art form in a changing European society: challenges and opportunities.“ Einer der zentralen Sätzen seiner Präsentation, dass es in der Oper darum gehe, „inhaltlich und emotional aufzunehmen, was die Oper aussagt, ohne den Spaß zu vergessen“ veranlasste den Autor, die Runde zu fragen, wo die Grenzen beispielsweise des Wagnerschen Regietheaters liegen könnten, i.e. wo könnten dem Regisseur in seiner Interpretation im Sinne des Komponisten sinnvolle Grenzen gesetzt sein angesichts des Charakters und der Grundaussage des jeweiligen Werkes. Daraufhin entwickelte sich mit besonderem Bezug auf die ästhetische und künstlerische Qualität des derzeitigen Programms der Bayreuther Festspiele eine kurze, aber heftige Diskussion, die schließlich am Ende des Panels in dem Appell von KS Éva Marton mit dem Statement und Appell gipfelte, dass diese Überlegungen durchaus berechtigt seien und es allein den Operndirektoren obliege, ja es ihre alleinige Verantwortung sei, die Art und Weise des Herangehens an Opern durch die zu bestellenden Regisseure zu bestimmen. Dabei sollten sie auch die Möglichkeit haben und nutzen, noch während des Probebetriebes in die Entwicklung der jeweiligen Produktion eingreifen zu können. Dies blieb im Sinne eines Schlussworts zu diesem heiklen Thema vom Panel unkommentiert. Zuvor hatte der Geschäftsführer des Palastes der Künste, Csaba Káel, über die Bedeutung von „Oper and communication“ referiert und dabei besonders herausgestellt, das es eine direktere Kommunikation zwischen den Opernschaffenden einerseits und Opernliebhabern in Europa andererseits geben solle, um das einzigartige europäische Kulturgut Oper über alle Zeiten zu tradieren.

Konferenzsaal im Erkel-Theater

Konferenzsaal im Erkel-Theater

Am Abend gab es in der Staatsoper noch eine hochinteressante und inhaltlich ergiebige Podiums-Diskussion mit fünf ungarischen und deutschen Teilnehmern zum Thema der politischen und sozialen Entwicklung Ungarns in den letzten 25 Jahren nach dem Mauerfall und was dies für die Freiheit der Ungarn, aber auch für die Entwicklung der Kunst und Kultur im Land bedeutete. Im Rahmen dieser vielseitigen und engagierten Diskussion kreierte der Vertreter der Konrad Adenauer Stiftung, Hans Kaiser, ein bedeutsames Wort, vor dem Hintergrund der geschichtlichen Erfahrungen des ungarischen Volkes und seiner Erfahrungen in Ungarn und Osteuropa: Freiheit ist für ihn ein synonymer Begriff für Ungarn.“ Damit war eigentlich (fast) alles gesagt…

Detaillierter Bericht vom gesamten Event folgt in Kürze.

Fotos: Attila Nagy; Poster: Klaus Billand

Klaus Billand