Richard Wagner in der Schweiz (1849-1848)

I. KUNSTWERK DER ZUKUNFT – Richard Wagner und Zürich

Neun Jahre verbrachte Richard Wagner als politischer Flüchtling in Zürich. Sie gehörten zur produktivsten Zeit seines Lebens. In einem wahren Schaffensrausch definierte er seine Ideen von Kunst und Künstlertum neu. Die später sprichwörtliche Bezeichnung „Zukunftsmusik“ entstand in Anspielung auf seine epochemachende Schrift „Das Kunstwerk der Zukunft“. Er arbeitete hier am vierteiligen „Ring des Nibelungen“ und leitete vor 150 Jahren mit der Komposition von „Tristan und Isolde“ die musikalische Moderne ein. In der Limmatstadt verwirklichte Wagner im Mai 1853 zum ersten Mal seine Idee von eigenen Festspielen. All dies war für das schweizerische Landesmuseum und das Musikwissenschaftliche Institut Zürich im Museum Bärengasse Grund genug, die wegweisenden Jahre des extravaganten Künstlers 150 Jahre nach seinem Wegzug aus Zürich in einer Sonderausstellung zu vergegenwärtigen. Sie lief von Juni bis November 2008 im Museum Bärengasse im Herzen Zürichs.

Der drohenden Verhaftung nach der Dresdner Mairevolution knapp entkommen, erreichte der 36jährige Königlich-Sächsische Hofkapellmeister Richard Wagner am 28. Mai 1849 Zürich. Neun Exiljahre sollte er als politischer Flüchtling hier verbringen, neun Jahre der Neuorientierung, die für ihn als Künstler und Mensch zu den prägendsten seines Lebens gehörten. Zürich wurde zu einem „Versuchsfeld“, wo vorhandene Ideen ausreiften, neue entstanden und umgesetzt werden konnten. Wagner dirigierte und schrieb in rascher Folge kunsttheoretische Schriften, Dramentexte und Kompositionen. Im Mai 1853 fanden hier die ersten Wagner-Festspiele überhaupt statt.

Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft von Dr. Peter Stüber, Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Zürich, und wurde im Rahmen der Zürcher Festspiele 2008 eröffnet. Gleich zu Beginn sieht der Besucher hautnah den Grund für Wagners Flucht nach Zürich uns Exil, die Dresdner Holzbarrikaden des gescheiterten Aufstandes im Mai 1849. Klaus Dröge, der in der Begleitpublikation eine interessanten Aufsatz unter dem Titel „Richard Wagners Schaffen in Zürich: Ein Überblick“ geschrieben hat, unterteilt die Zürcher Jahre schwerpunktmäßig in drei Phasen: Erste Phase (1848-51), in deren Mittelpunkt die musikschriftstellerische Produktion stand, als deren erste Arbeit Wagner Ende Juli 1849 in Zürich seinen Aufsatz „Die Kunst und die Revolution“ abschloss. In diese Zeit fällt auch die zentrale Schrift „Kunstwerk der Zukunft“, der als dritter Teil eine Abhandlung über „die Künstlerschaft der Zukunft“ folgen sollte, was aber zugunsten der Ende 1849 begonnenen Arbeit an „Wieland der Schmied“ nicht weiter verfolgt wurde. 1850 entstand unter dem Pseudonym „K. Freigedank“ auch „Das Judentum in der Musik“ und von September 1850 bis Januar 1851 die Schrift „Oper und Drama“, die umfangreichste und gewichtigste der Zürcher Reformschriften. Zweite Phase (1851-1857), mit dem Schwerpunkt der Arbeit am Bühnenfestspiel „Der Ring des Nebelungen“, wobei Wagner den Weg von der ursprünglich für Weimar bestimmten Heldenoper „Siegfrieds Tod“ aus dem Jahre 1848 hin zur „Ring“-Tetralogie 1851 in einer „Mittheilung an meine Freunde“ nachzeichnete. Im Februar 1853 konnte er einen in Zürich hergestellten Privatdruck der vier „Ring“-Dichtungen veröffentlichen, wobei die beiden letzten Teile noch „Der junge Siegfried“ und „Siegfrieds Tod“ hießen. Erst 1856 legte er die endgültigen Titel „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ fest. Ins Jahr 1853 fallen auch die ersten Wagner-Festspiele in dem Sinne, dass er im Rahmen der Zürcher Konzerte den Friedensmarsch aus „Rienzi“, Fragmente aus „Der fliegende Holländer“, „Tannhäuser“ und Lohengrin“ aufführte, und zwar mit programmatischen Erklärungen zu den einzelnen Nummern, die auch im Programmheft erschienen. Dritte Phase (Ende 1856-1858), die von Wagners Schaffen am Bühnenwerk „Tristan und Isolde – Handlung in drei Aufzügen“, geprägt waren, welche er erstmalig in einem Brief an Franz Liszt 1854 erwähnte. Am 17. August 1858, noch vor Minna Wagner, verlässt der Komponist Zürich fluchtartig und gleichsam fragmentarisch, denn sowohl der „Ring“ als auch der „Tristan“ erlebten ihre Vollendung anderswo. Aber von Zürich nahm Richard Wagner noch die Idee zum Bühnenwerk „Parsifal“ mit.

Selten gezeigte Handschriften, rare Notendrucke, Alltagsgegenstände wie Wagners Stoffmuster, sein Schreibpult oder sein goldener Federhalter, sowie Bilder und Musikinstrumente lassen den Besucher in die Zeit des großen Künstlers und Komponisten eintauchen, wobei die thematisch und optisch perfekte Darstellung der Ausstellungsgegenstände beeindruckte. Einige, die in direktem Zusammenhang mit Wagners Zeit in Zürich stehen, sollen kurz hervorgehoben werden. Man sieht das „Dekret über die Entlassung von Kapellmeister Richard Wagner und Professor Gottfried Semper“ vom 22.6.1849 und den ersten und zweiten Steckbrief gegen Richard Wagner von Mai/Juni 1849. In der Passliste Zürich von 1849 ist die einzige authentisch dokumentierte Größe Richard Wagners mit 166,5 cm zu sehen. Man sieht das Ehrendiplom für den Komponisten der Allgemeinen Musik-Gesellschaft in Zürich vom 19.6.1851, also aus der ersten Phase seines Schaffens in der Stadt. Eine Ehrenurkunde verschiedener Zürcher Gesangsvereine dokumentierte im Juli 1853, dass Wagner zu dieser Zeit in Zürich auf dem Höhepunkt seiner Bekannt- und Beliebtheit als Dirigent und Komponist stand. Ein Fingerring aus Gold und edelsteinbesetzt fällt ins Auge, den Wagner dem gebildeten Staatsschreiber Johann Jacob Sulzer schenkte, der zu seinen besten und treuesten Zürcher Freunden gehörte. Sulzer hatte ihm unbürokratisch zu dem Pass verholfen, mit dem er in die Schweiz einreisen konnte. Auch seine Beziehung zu Mathilde Wesendonck, geb. Agnes Luckemeyer, ist mit ihrer Büste aus Marmor von L. Keiser, 1860, aus dem Richard Wagner Museum Luzern sowie Wagners Büste aus Bronze von Lorenz Gedon, 1880-84 (Guss posthum), aus der Zentralbibliothek Zürich, sowie einigen weiteren Dokumenten eindrucksvoll dargestellt. Besondere Wirkung auf den Betrachter übt in diesem Zusammenhang eine goldene Feder mit Federhalter und Tintenfass aus amerikanischer Produktion der 1850er Jahre aus, die die Wesendoncks Richard Wagner im Juni 1854 schenkten. Diese Feder „von unverwüstlicher Schreibkraft“ machte ihn, so Franz Liszt, „wieder zum kalligraphischen Pedanten“. Wagner wollte damit die „Rheingold“-Partitur ins Reine schreiben. Natürlich sind seine bedeutendsten musikwissenschaftlichen Schriften, insbesondere aus der ersten Phase der Zürcher Jahre, dokumentiert. Darunter fällt ein handschriftlicher Autograf vom 4.11.1849 „Das Kunstwerk der Zukunft“ aus dem Nationalarchiv der Richard Wagner-Stiftung Bayreuth, die zahlreiche Gegenstände bereitstellte. Die Ausstellung gibt über die freundschaftlichen Beziehungen Wagners in Zürich ebenso Auskunft wie über seine Korrespondenz mit bedeutenden Musikern seiner Zeit in den Zürcher Jahren.

Im wunderschönen Rokoko-Musiksaal des Museums Bärengasse versetzte eine Klanginstallation die Besucher in eine Soiree vor 150 Jahren. Dazu ist eine CD erschienen. Die umfangreiche und gut bebilderte Begleitpublikation „Kunstwerk der Zukunft – Richard Wagner und Zürich (1849-1858)“, herausgegeben von Laurenz Lütteken, seit 2001 Ordinarius an der Universität Zürich, unter Mitarbeit von Eva Martina Hanke im Verlag Neue Zürcher Zeitung, sowie ein weit gefächertes Rahmenprogramm ergänzten die farbig inszenierte Jubliäumsausstellung zur „Gesamtveranstaltung“.

Die Ausstellung „KUNSTWERK DER ZUKUNFT – Richard Wagner und Zürich (1849-1858)“ gab einen ebenso informativen wie intensiven Einblick in die Schaffenszeit und Lebensumstände des Leipziger Komponisten jener Jahre und macht erkennbar, dass seine weitere künstlerische Entwicklung entscheidend durch diese Zeit geprägt wurde.

II. Villa Wesendonck und das „Asyl“

Von 1853-57 ließ der nach Zürich übersiedelte Otto Wesendonck, Textilkaufmann aus Wuppertal-Elberfeld, ein Herrenhaus in der damals noch selbständigen Gemeinde Enge bei Zürich erbauen, mit herrlichem Blick auf den Zürichsee. Das Haus wurde zum Treffpunkt der damaligen geistigen Elite Zürichs. Richard Wagner, Gottfried Semper, Conrad Ferdinand Meyer, Gottfried Keller u.a. waren hier häufige Gäste. Bereits 1847 hatte Otto Wesendonck die Wuppertalerin Agnes Luckemeyer auf einer Hochzeit kennen gelernt. Er bat sie bei der Verlobung ein Jahr später, den Namen seiner 1844 auf der Hochzeitsreise an Typhus verstorbenen Frau Mathilde anzunehmen. Wagner lernte die Familie Wesendonck nach der Ankunft in sein Exil Zürich im Hotel Baur au Lac kennen. Mathilde wurde im Laufe seiner Zürcher Jahre seine Muse. Wagners unerfüllte Liebe zu ihr wurde neben der Philosophie Schopenhauers („Die Welt als Wille und Vorstellung“) ein Motiv für sein „handliches Zwischenwerk“ „Tristan und Isolde“. Zu Sylvester 1857 übergab Wagner Mathilde hier die ihr gewidmete Kompositionsskizze von „Tristan und Isolde“, nachdem er zuvor fünf ihrer Gedichte vertont hatte, die später unter der Bezeichnung „Wesendonck-Lieder“ in die Musikgeschichte eingingen.

Die Villa Wesendonck wurde von dem bekannten Architekten Leonhard Zeugheer entworfen. Der Kunstgärtner Theodor Froebel gestaltete darum eine großzügige Parkanlage, heute als Rieterpark bekannt, der Familie, die das Haus mit Park 1871 von den nach Deutschland zurückkehrenden Wesendoncks erwarb. Der Park hat eine Fläche von 67.000 Quadratmetern und beherbergt neben der Villa weitere historische Gebäude: die Remise, die Park-Villa Rieter und die Villa Schönberg.

Die Wesendoncks überließen Wagner und seiner Frau Minna ein extra für sie hergerichtetes Fachwerkhaus gegenüber der Villa, welches später als das „Asyl“ bezeichnet wurde. Es ist leider nicht mehr in seiner ursprünglichen Form erhalten, wenngleich der elegante holzgetäfelte Herrensalon im Erdgeschoss immer noch viel von dem großzügigen Wohnstil der damaligen Zeit widerspiegelt.

Heute beheimatet die Villa Wesendonck das Museum Rietberg für außereuropäische Kunst, dessen Besuch sich sehr lohnt. Es ist das einzige Kunstmuseum für außereuropäische Kulturen in der Schweiz und beherbergt Kunst aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien. Es gibt auch eine umfangreiche Präsenzbibliothek. 2007 wurde der Erweiterungsbau „Smaragd“ der Architekten Alfred Grazioli und Adolf Krischanitz eröffnet, der sich neben der Villa Wesendonck völlig unter der Erde befindet und äußerst sehenswerte Wanderausstellungen außereuropäischer Kunst zeigt.

III. Das Museum in Tribschen bei Luzern

Das Richard-Wagner-Museum in Tribschen bei Luzern liegt anmutig auf einem Hügel über dem Vierwaldstätter See nahe bei Luzern. Jedem Wagner-Freund ist das berühmte Bild des schmucken dreistöckigen weißen Hauses mit den grünen Fensterläden und der roten Schweizer Nationalflagge davor bekannt. In einem offiziellen Buch der Stadt Luzern für das Richard-Wagner-Museum „Richard Wagner – Seine Zeit in Luzern – Das Museum in Tribschen“ von Michael Riedler und Fritz Schaub erfahren wir u.a., dass der Komponist Luzern und seine Umgebung vor dem Einzug in Tribschen bereits gut kannte, denn viermal #
hatte er zuvor hier Station gemacht, zum ersten Mal im August 1850. In Luzern nahm er in Gedanken an der Premiere des „Lohengrin“ in Weimar teil, wobei er, wie er in „Mein Leben“
schreibt, mit der Uhr in der Hand „genau die Stunde des Anfangs und des vermuteten Endes“ verfolgte. Im Hotel Schweizerhof gab Wagner dem Ehepaar Wesendonck eine Kostprobe aus „Tristan und Isolde“, den er während seines vierten Aufenthalts in Luzern vollendete. Am 7. September 1859, also am Ende seiner Exiljahre in der Schweiz, verließ er Luzern und reiste nach kurzen Stationen bei den Wesendoncks in Zürich und in Winterthur bei seinem Freund Sulzer aus den Zürcher Jahren nach Paris.

An einem Karfreitag, dem 30. März 1866, entdeckte Wagner mit seiner Begleiterin Cosima von Bülow das Landgut während einer Schifffahrt auf dem Vierwaldstätter See. Er schloss mit dem Besitzer des Landsitzes, Oberstleutnant Walter Am Rhyn, sehr bald einen Jahres-Mietvertrag über die Summe von 3.000 Franken ab. Wagners fünfter und letzter Aufenthalt in Luzern sollte damit vom 1. April 1866 bis zum 22. April 1872 dauern, wonach er bekanntlich nach Bayreuth übersiedelte. Es sollten im wesentlichen glückliche und ebenfalls produktive Jahre werden, nach einigen Wirrungen zu Beginn. Denn sein Verhältnis zu Cosima von Bülow, die noch mit Hans von Bülow verheiratet war, konnte erst im August 1870 mit der Hochzeit in der protestantischen Matthäus-Kirche zu Luzern legalisiert werden. In Tribschen wurden ihre Tochter Eva im Februar 1867 und Wagners Erbe Helferich Siegfried Richard im Juni 1869 geboren, der später die Bayreuther Festspiele übernahm. Tribschen war ein offenes Haus, äußerst prominente Gäste kamen, wie König Ludwig II. von Bayern und 23 Mal Friedrich Nietzsche, der sogar ein Zimmer im zweiten Obergeschoss hatte. Auch Franz Liszt, Peter Cornelius, der Pianist Josef Rubinstein, der Musikforscher Edouard Schuré und Gottfried Semper waren hier zu Gast. Wagner unterhielt einen großen Hofstaat und einen kleinen Zoo, u.a. mit den Pfauen Wotan und Fricka. Der berühmte Hund Russ war immer dabei.

Ein Rundgang durch das Untergeschoss bringt den Besucher unmittelbar in Wagners Zeit zurück. Im eleganten Salon mit Blick auf den See steht auch heute noch das auffallendste und wertvollste Objekt der Ausstellung, der sog. Erard-Flügel, eine Leihgabe Winifred Wagners an ihre Kinder. Er war ein Geschenk der Witwe des Pariser Klavierfabrikanten Pierre Erard und war am 3. Mai 1858 in Wagners „Asyl“ in Zürich-Enge eingetroffen. Wagner benutzte den Flügel in Venedig und 1859 in Luzern im Schweizerhof, nahm ihn dann mit nach Paris, Wien, München, Tribschen und Bayreuth. Der 2. und 3. Aufzug des „Tristan“ erklangen zum ersten Mal auf diesem Flügel! Neben einem Ziertischchen aus Wagners Zeit gibt es auch noch den berühmten Fauteuil, in dem sich der Komponist oft fotografieren ließ. Aus der Wagner-Zeit stammen ferner zwei Petrollampen aus Alabaster und Bronze. Man sieht einen prachtvollen böhmischen Deckelpokal, ein Geschenk König Ludwigs II., und natürlich viele Gemälde, Stiche und Drucke, denn von Cosima ist überliefert: „Bilder sind mir lieber als Bücher“. Im grünen Arbeitszimmer gleich hinter dem Kassenraum, der früher einmal Wagners Schlafzimmer gewesen ist, war ein Teil von seiner Bibliothek untergebracht. Zudem arbeitete er hier an seinem Komponierklavier von Bechstein, das ihm König Ludwig II. geschenkt hatte. In der früheren Bibliothek und dem Speisezimmer kann man Kleidungsstücke, die Wagner in Tribschen trug, bewundern, darunter ein Rock aus dunkelbraunem Samt und das seidene Hemd mit Spitzen, eine Hausjacke und ein Samtbarett. Wagner trug auch deshalb Samt und Seide, weil er wegen einer Gürtelrose zeitlebens allergisch gegen Wolle und Baumwolle war. Nicht zu vergessen ist ein Gipsabdruck der rechten Hand des Komponisten, sowie seine Totenmaske. Da Augusto Benvenuti, Bildhauer in Venedig, der in der Nähe des Palazzo Vendramino wohnte, ohne Wissen der Familie Wagner mehrere Totenmasken angefertigt hatte, kann niemand mit Sicherheit sagen, welches die „erste“ war. Das erste Obergeschoss bewohnte Cosima mit den fünf Kindern Blandine, Daniela, Isolde, Eva und Siegfried. Hier ist heute eine Musikinstrumente-Sammlung zu sehen, aber auch Hinweise auf Arturo Toscaninis Besuche und musikalisches Wirken in Tribschen.

Wichtig ist natürlich das Stiegenhaus zum ersten Obergeschoss. Im Dezember 1870 hatte Wagner heimlich ein Ständchen für Cosimas 33. Geburtstag komponiert. Hans Richter, der später die erste zyklische Aufführung des „Ring“ in Bayreuth dirigierte, studierte das von Wagner „Tribschener Idyll“ genannte Stück mit 16 Musikern des Zürcher Theater-Orchesters ein. Es wurde später unter der Bezeichnung „Siegfried-Idyll“ bekannt. Cosima war zutiefst beeindruckt und gerührt. Das von den Kindern „Treppenmusik“ genannte Stück wurde noch mehrmals im Laufe des Tages wiederholt…

In Tribschen beendete Wagner die Partitur der „Meistersinger“ und komponierte 1871 den „Kaisermarsch“. Er wandte sich hier nach einer 12jährigen Pause wieder dem „Ring des Nibelungen“ zu, vollendete mit der Komposition des 3. Aufzugs den „Siegfried“ und begann mit der Vertonung der „Götterdämmerung“, wobei er die Orchesterskizze des 1. und 2. Aufzugs und die Kompositionsskizze des 3. Aufzugs noch in Luzern fertig stellte. Der Abschied von Tribschen 1872 fiel der gesamten Familie und ihren Bediensteten sehr schwer.

Damit endete die Zeit Richard Wagners in der Schweiz.

Klaus Billand