LINZ/Brucknerfest 2014: Finale der Competizione dell’Opera - 28. September 2014

Barbara Rett und Hans-Joachim Frey

Barbara Rett und Hans-Joachim Frey

Mit der Moderation von Barbara Rett auf der Bühne des neuen Musiktheaters Linz ging an diesem Abend die Competizione dell’Opera mit dem Finalkonzert vor fast vollem Hause zu Ende. Es war dieses Jahr zum ersten Mal eine Kooperation zwischen dem Brucknerhaus Linz und dem neuen Musiktheater. Anwesend waren neben dem Intendanten des Musiktheaters, Rainer Mennicken, und dem Geschäftsführer der LIVA Linz und Künstlerischen Leiter des Brucknerhauses, Prof. Hans-Joachim Frey, auch der Landeshauptmann von Oberösterreich, Josef Pühringer.

Die FinalistInnen

Die FinalistInnen

Linz war dieses Jahr bereits zum zweiten Mal Austragungsort des Semifinales und Finales dieses internationalen Gesangswettbewerbs im Rahmen des internationalen Brucknerfestes unter Leitung von Hans-Joachim Frey. Das Semifinale fand am 22. und 24. September im Brucknerhaus statt, das Finale nun auf der großen Bühne des neuen Musiktheaters. Mehr als 400 SängerInnen nahmen diesmal an den Vorrunden teil, die in Peking, Paris, Bonn, Budapest, Buenos Aires, St. Petersburg, Moskau, Dresden, Seoul, Wladiwostock, Wien und zuletzt in Linz stattfanden. 87 KandidatInnen erreichten das Semifinale in Linz, 12 davon an diesem Abend das Finale. Die bisherigen Finalorte des von H.-J. Frey nach Linz gebrachten Wettbewerbs waren 1996/98 Hamburg, 2001-2010 Dresden, 2011 Moskau, 2012 Minsk, 2013 und 2014 Linz. Ende November diesen Jahres findet eine weitere Ausgabe in Taschkent, Usbekistan, statt.

Die Veranstalter mit den PreisträgerInnen

Die Veranstalter mit den PreisträgerInnen

Unter den 12 FinalistInnen, die zum großen Teil gute und vom Publikum teilweise enthusiastisch akklamierte künstlerische Leistungen boten, ragten einmal mehr die OstasiatInnen und OsteuropäerInnen heraus. Jeweils drei FinalistInnen aus Südkorea und Russland standen zwei Ungarn, zwei Chinesinnen sowie eine Südafrikanerin und eine Österreicherin aus dem Burgenland gegenüber. Erst wurden einige Sonderpreise vergeben, insbesondere Einladungen zum Vorsingen an den Bühnen der wahrlich vielköpfigen Jury (33 Mitglieder) aus 12 Ländern unter der Leitung von H.-J. Frey. Das Brucknerorchester Linz unter der versierten und sängerfreundlichen Leitung des chinesischen Dirigenten Yu Feng musizierte dazu auf gewohnt hohem Niveau. Zur Einführung spielte man beschwingt die Ouvertüre zu „Le nozze di Figaro“ und nach der Pause, wie um den Denkprozess der Jury abzubilden, das Intermezzo sinfonico aus „Cavalleria rusticana“.

Einige FinalistInnen

Einige FinalistInnen

Anders als im vergangenen Jahr im Brucknerhaus reflektierte die Entscheidung hinsichtlich der Preisvergabe nach jeweils einer Arie aus dem italienischen Fach weit besser die gezeigten Leistungen. Auch der Rezensent hatte diese Finalisten an der Spitze der Top-Scorer:

Elena Stikhina

Elena Stikhina

1. Preis €7.500: Elena Stikhina – Sopran (Russland)

Preisübergabe an E. Ferzba

Preisübergabe an E. Ferzba

2. Preis €3.500: Ekaterina Ferzba – Sopran (Russland)

Junbum Lee bei der Preisübergabe

Junbum Lee bei der Preisübergabe

3. Preis €3.000: Haja Zsolt – Bariton (Ungarn) und Junbum Lee – Tenor (Südkorea), in jeweils voller Höhe des Preisgeldes.

E. Stikhina bei ihrer Arie

E. Stikhina bei ihrer Arie

Elena Stikhina aus Wladiwostok brillierte mit der wahrlich ausgezeichnet gesungenen und auch ausdrucksvoll interpretierten Arie „Tacea la notte placida“ der Leonora aus „Il Trovatore“ von G. Verdi. Ihr leuchtend timbrierter und bestens intonierter Sopran hat dramatischen Aplomb und wird mit ausgezeichneter Technik und Projektion geführt. Es entsteht ein klares, brillantes Klangbild. In der Mittellage klingt ein schönes Melos mit, das ihrer Stimme eine besondere charakterliche Farbe verleiht. Kein Wunder, dass es E. Stikhinas Wunsch ist, eines Tages einmal Norma und Brünnhilde zu singen. Es war den meisten im Publikum wohl unmittelbar klar, dass sie den 1. Preis des Abends erhalten musste. So bekam Stikhina auch den zum ersten Mal verliehenen Publikumspreis. Begeisterter Applaus für ein bemerkenswerteres Talent!

E. Stikhina und E. Ferzba

E. Stikhina und E. Ferzba

Ekaterina Ferzba aus Russland sang die Arie der Rosina aus Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ mit exzellenter Tongebung und blendender Höhe, aber auch mit viel Empathie und Ausdruck. Sie hatten schon 2013 am Wettbewerb teilgenommen und gewann nun zu Recht den 2. Preis. Hier deutete sich auch eine gute Königin der Nacht an.

Haja Zsolt ganz rechts

Haja Zsolt ganz rechts

Der Bariton Haja Zsolt aus Ungarn und der Tenor Junbum Lee aus Südkorea kamen auf genau dieselbe Punktzahl, und so erklärte sich LH Pühringer bereit, den 3. Preis zu verdoppeln. Zsolt konnte mit einer äußerst engagiert vorgetragenen Kavatine des Figaro aus Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ überzeugen, mit guter Höhe, aber (noch) nicht allzu großem Volumen. Lee sang eine ausdrucksvolles Lamento des Federico von Francesco Cilea. Die Stimme liegt sehr hoch und könnte noch etwas mehr Resonanz und Breite entwickeln.

Ich denke, man wird von all diesen SängerInnen noch einiges hören – hoffentlich!

Einige FinalistInnen

Einige FinalistInnen

Die übrigen FinalistInnen waren:
Andiswa Makana – Sopran (Südafrika)
Anastasya Kikot – Sopran (Russland)
Soomin Yu – Sopran (Südkorea)
Gergely Boncsér – Tenor (Ungarn)
Xin Wang – Sopran (China)
Elisabeth Pratscher – Sopran (Österreich)
Hankyol Kim – Bariton (Südkorea)
Zhenyi Hou – Mezzosopran (China)

Fotos: Reinhard Winkler, 2, 3, 5-8
Klaus Billand: 1, 4, 9-11

Klaus Billand