SZEGED/Ungarn: IX. Internationaler József Simándy Gesangswettbewerb - 29. März - 4. April 2016

Der Simándy Gesangs-Wettbewerb

Der Simándy Gesangs-Wettbewerb

József Simándy (1916-1997) war einer der berühmtesten Operntenöre Ungarns, wenn nicht der berühmteste. In diesem Jahr hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert. So war der IX. Internationale József Simándy Gesangswettbewerb zugleich eine Jahrhundertfeier für den geliebten Tenor, der diese Initiative im Jahre 1992 selbst gestartet hatte. Wie seine Witwe Judit Simándy in einem Grußwort im Programmheft schreibt, war József Simándy Präsident der Jury des von Konservatorium Franz Liszt organisierten Grand Prix für Sänger, genannt „Der Szegeder Herbst“, denn dieser Wettbewerb fand im Herbst 1992 statt. Man wollte damit allen Gesangsschülern und Studenten die Möglichkeit geben, ihr Können und ihre Entwicklung vorzustellen. Bis heute bewahrt Judit Simándy alle Notizen, Kritiken and Vorschläge ihres Mannes für die Teilnehmer des Wettbewerbs zu jener Zeit. Simándy war eine sehr strikte Person, auch in Bezug auf sich selbst. Aber er war fähig, sich enthusiastisch über die talentierten jungen Leute zu zeigen, die in der Lage waren, die Kunst des Gesangs zu lieben. Seine tiefe Bewunderung für die 1992 gezeigten Leistungen brachte ihn zu der Überzeugung, den Gesangswettbewerb in Szeged fortzuführen.

József Simándy (1916-1997)

József Simándy (1916-1997)

Im Frühjahr 1998 wurde diese Absicht Realität. Leider konnte Simándy daran nicht mehr teilnehmen, denn er war ein Jahr zuvor verstorben. Der Wettbewerb wird aber in seinem Geiste seither alle zwei Jahre fortgesetzt und erlebte in diesem Jahr seine neunte Ausgabe. Heute hat der Simándy Gesangswettbewerb die größte Bedeutung und Tradition seiner Art in Ungarn. In seiner fast 20jährigen Geschichte hat sich der Wettbewerb zu einer Plattform für klassischen Gesang und die Entdeckung neuer und zukünftiger Talente entwickelt. Die aus ihm hervor gegangenen Künstler gewannen häufig großes Ansehen auf den internationalen Opernbühnen. Szeged ist bekannt für seine Lehrer und Künstler. Simándy, der neben vielen hochrangigen Auszeichnungen den Kossuth Preis bekam sowie Preisträger der Kiváló und Érdemes Künstler-Preise war, begann sowohl seine Opern- wie Gesangslehrerkarriere in Szeged im Jahre 1946. Dabei spielte eine Rolle, dass der Musikdirektor und Dirigent Viktor Vaszy in jener Zeit in Szeged eine Opernkultur und das entsprechende Umfeld begründet hatte. Seither gedeiht diese Kultur weiter in dieser schönen südungarischen Stadt. Neben dem 100. Geburtstagsjubiläum von J. Simándy wurde mit der neunten Ausgabe des Simándy Wettbewerbs auch das 70jährige Bestehen des Nationaltheaters von Szeged gefeiert.

Simándy als Otello

Simándy als Otello

Der Simándy Gesangswettbewerb eröffnet jungen Gesangskünstlern weiterhin die Möglichkeit, wertvolle Preise sowie Sonderpreise und Aufführungsmöglichkeiten zu gewinnen. Diesjährige Sponsoren waren die Ungarische Staatsoper Budapest, die Nationaltheater von Szeged, Pécs und Miskolc, das Csokonai Theater von Szeged, das József Katona Theater von Kecskemét, das Miskolc Opernfestival, der Palast der Künste Budapest und das Ungarische Radio. Die Preisträger präsentierten sich in einem Galakonzert am Schlusstag des Wettbewerbs auf der Bühne des Nationaltheaters Szeged, begleitet vom Symphonieorchester Szeged. Das Konzert wurde vom MTVA Bartók Radio und dem Szegeder Stadtfernsehen aufgenommen.

Mária Temesi

Mária Temesi

Eine wesentliche Rolle bei der Begründung des Internationalen József Simándy Gesangswettbewerbs spielte von Anfang an die Sängerin und Gesangspädagogin Prof. Dr. Mária Temesi, die zusammen mit der Witwe und dem Universitätsgesangslehrer György Sinkó Érdemes den Wettbewerb 1998 ins Leben rief und ihn seither betreut sowie als Vorsitzende des Gesangswettbewerbs auch die Gesamtverantwortung inne hat. In jenem Jahr wurde Mária Temesi Vorsitzende der Gesangsabteilung der Fakultät für Musik an der Universität Szeged. Temesi hat sich u.a. als großartige Sieglinde und Brünnhilde in Wagners „Ring des Nibelungen“ hervor getan und sang diese Rollen bei den Premieren des „Ring“ in den späteren 1990er Jahren an der Budapester Staatsoper. Auch heute singt sie weiter wichtige Rollen des internationalen und ungarischen Opernrepertoires in ihrem Fach. Einen wesentlichen Teil ihrer Arbeit macht die Ausbildung junger Sänger und Sängerinnen am Konservatorium Szeged aus, von denen auch einige auf dem diesjährigen Simándy Wettbewerb auftraten und mehrere aus den Vorjahren eine internationale Karriere starten konnten.

Der Wettbewerbssaal

Der Wettbewerbssaal

Folgende Preise waren diesmal ausgelobt:
In Kategorie I: 18 bis 25jährige und Studenten im Bachelor-Studium
1. Preis 300.000 HUF
2. Preis 200.000 HUF
3. Preis 100.000 HUF
József Simándy Sonderpreis 200.000 HUF
In Kategorie II: Universitätsstudenten im Master-Studium und nicht-universitäre junge Künstler
József Simándy Grand Prix 600.000 HUF
1. Preis 1.000.000 HUF
2. Preis 600.000 HUF
3. Preis 400.000 HUF
Der J. Simándy Grand Prix wurde von Mária Bárdossy, New York und Budapest, gestiftet.

Witwe Judit Simándy mit Tochter

Witwe Judit Simándy mit Tochter

Ferner gab es den von der Universität Szeged gestifteten Preis „Best competitor under age 21“ für 200.000 HUF; den Sonderpreis für ein vielversprechendes Talent in Kategorie II für 100.000 HUF; gestiftet von der Opernsängerin Zsófia Kálnay; ein Bayreuth-Stipendium sowie Bayreuth-Eintrittskarten; diverse Aufführungsmöglichkeiten an mehreren ungarischen Opernhäusern und mit ungarischen Orchestern sowie weitere Preise von Organisationen und dem Privatsektor.

Die Jury

Die Jury

Die Vorsitzende des Wettbewerbs war Prof. Dr. Mária Temesi.

Der Vorsitzende der Jury war Szilveszter Ókóvacs, Opernsänger und Direktor der Ungarischen Staatsoper Budapest

Die weiteren Mitglieder der Jury waren:
Mária Temesi, Opernsängerin und Gesangsprofessorin
Sándor Gyüdi, Direktor und GMD des Nationaltheaters Szeged
Tamás Bator, Operndirektor des Palastes der Künste (MÜPA) und Berater der Ungarischen Staatsoper Budapest
Theresia L. Beretzky, Sänger-Agentin
Michael Gruber, Sänger-Agent
Klaus Billand, Opernkritiker, Der neue Merker, Wien

Nationaltheater Szeged als Schauplatz der Gala

Nationaltheater Szeged als Schauplatz der Gala

Es nahmen überwiegend Sängerinnen und Sänger aus Ungarn teil, aber auch aus England, Rumänien, der Slowakischen Republik, Vietnam, dem Iran, Serbien, Australien, Kanada, Japan, der Ukraine und China. Die meisten der ausländischen Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren ungarischer Abstammung und studierten in Ungarn. Es nahmen 43 Sänger in Kategorie I und etwa 80 Sänger in Kategorie II am Wettbewerb teil, insgesamt also etwa 123 Sängerinnen und Sänger, die in den ersten vier Tagen die Vorrunde, das Semifinale und das Finale austrugen.

Jury-Mitglieder mit Preisverleiherin Mária Bárdossy (re.)

Jury-Mitglieder mit Preisverleiherin Mária Bárdossy (re.)

Preisträger der Kategorie I:

1. Preis – Duc Hoang Long Ninh, Tenor (Vietnam)
2. Preis – Theodora Raftis, Sopran (Ungarn)
3. Preis – Diána Kiss, Mezzosopran (Ungarn)
József Simándy Sonderpreis: Orsolya Hagen, Sopran (Ungarn)

Preisträger der Kategorie II:

(Aufgrund der de facto gleichen Qualität einiger Sänger des Finales wurden die drei ersten Preise geteilt)
József Simándy Grand Prix: György Hanczar, Tenor (Ungarn)
1. Preis – Judit Baracskai, Sopran (Serbien) und Éva Kovács, Sopran (Serbien)
2. Preis – Apollónia Egyed, Sopran (Rumänien) und Ágnes Rendes, Sopran (Ungarn)
3. Preis – Zsófia Bódi, Sopran (Ungarn) und Katalin Vámosi, Sopran (Ungarn)

Die Preisträger und Jury bei der Abschluss-Gala

Die Preisträger und Jury bei der Abschluss-Gala

Insgesamt zeigte der IX. Internationale József Simándy Gesangswettbewerb ein recht hohes Niveau vornehmlich ungarischer, aber auch serbischer Sängerinnen mit Scherpunkt im Sopran-Fach. Während es bei einigen anderen internationalen Gesangswettbewerben kaum Tenöre in den Spitzenrängen gibt, konnten in Szeged immerhin zwei Vertreter dieser Stimmlage den ersten Preis bzw. den Grand Prix gewinnen. Einige der prämierten und auch der nicht prämierten Sängerinnen und Sänger sollten aber eine gute Zukunft vor sich haben, wenn auch die anderen für den Erfolg relevanten Faktoren stimmen.

Fotos: Klaus Billand

KlausBilland