Buchbesprechung: Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V.: Almanach 2014

Festspielhaus Bayreuth

Festspielhaus Bayreuth

Seit einigen Jahren gibt der private Förderverein der Bayreuther Festspiele, die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V., einen Almanach heraus, das Jahrbuch der Gesellschaft zu den Bayreuther Festspielen. Der rechtzeitig zur Festspielzeit erschienene and an die etwa 5.500 Mitglieder weltweit versandte Almanach 2014, erstellt vom Redaktionsteam Ina Besser-Eichler, Susanne Krabusch, Kirsti Neumüller und Pierre Soldatenko mit Vorworten der Vorsitzenden Dr. Georg Freiherr von Waldenfels, Dr. Wolfgang Wagner und Prof. Dr. h.c. Stephan Götzl sowie der Festspielleitung gibt, wie bereits im Vorjahr, wieder einen exzellenten Bilderbogen durch die Musikdramen, die dieses Jahr auf dem Festspielprogramm standen. Der Bayreuther Hausfotograf Enrico Nawrath hat erstklassige photografische Arbeit geleistet, zumal manches, was hier gerade auch an Nahaufnahmen der Künstler zu sehen ist, in einem besseren Licht erscheint als auf der Bühne des Festspielhauses wahrzunehmen war. Das Schwergewicht des Almanachs liegt somit und durchaus sinnvoll für eine Publikation dieser Natur auf der bildlichen Darstellung des Themas Bayreuther Festspiele 2014.

Aber es gibt zu den einzelnen Werken auch sinnvoll zugeordnete interessante sowie aussagekräftige Interviews mit verschiedenen Künstlern und einige ebenso interessante Aufsätze. So wird in einem detaillierten Interview der Bühnenbildner des „Ring des Nibelungen“ in der Regie von Frank Castorf, Aleksandar Denic, in einem Portrait vorgestellt. Er versucht, sein Bühnenbild-Konzept zu erklären, insbesondere den in diesem „Ring“ viel zu unklar und zaghaft verfolgten Schwerpunkt des Öls statt des Goldes, die anfänglichen Annahmeschwierigkeiten der Filmeinblendungen bei den Sängern, und er erläutert auch die Bedeutung einer Reihe von Requisiten, u.a. des Mercedes und der Isetta… Loge Norbert Ernst schildert dann u.a., wie er sein 10. Bayreuther Bühnenjubiläum im Jahre 2015 sieht und parliert über die erfreuliche Zusammenarbeit mit „Ring“-Dirigent Kirill Petrenko. Fasolt Wilhelm Schwinghammer spricht über sein Debüt als König Heinrich in Bayreuth 2012, die berühmte Akustik im Festspielhaus sowie einige Stationen seiner Karriere. Flosshilde, 1. Norn und Grimgerde Okka von der Damerau spricht über ihre Arbeit mit Frank Castorf, über ihr Vorsingen in Bayreuth 2005 und wie man zu einem „so schönen, sonoren Mezzo kommt“… Erda Nadine Weissmann informiert über ihre Anfänge mit dem „Ring“ in Weimar und wie sie die Rolle der Erda im neuen Bayreuther „Ring“ sieht. Auch Mime Burkhard Ulrich, Waldvogel und Woglinde Mirella Hagen, Gunther Alejandro Marco-Burmester sowie Gutrune und Gerhilde Allison Oakes geben lesenswerte Einsichten in ihren Werdegang, die Arbeit in Bayreuth und einiges mehr.

Interessante Einblicke in „Transzendentales und Natur“ geben sodann die sieben Harfenistinnen des Festspielorchesters, die neben der Bedeutung des Instruments im Wagner-Orchester auch zu der interessanten Frage Stellung nehmen, ob die Harfe eine „Fraueninstrument“ sei… Das Interview bringt in der Tat bemerkenswerte Einzelheiten für jeden, der sich für die Harfe interessiert. In Teil 2 einer Fortsetzungsgeschichte aus dem Almanach 2013 wird sodann die „Suche nach dem perfekten Klang“ im „Ring des Nibelungen“ fortgesetzt – ein höchst lesenswerter Aufsatz! Gegen Ende des Almanachs 2014 schildert der seit 30 Jahren am Hügel tätige Bühneninspizient Udo Metzner seine Arbeit während der Vorstellungen und erzählt einige interessante und auch lustige Anekdoten aus diesem langen Zeitraum. Ein Aufsatz über Richard Wagner und seine Hunde, die Erfahrungen einiger Studierender der Universität Bayreuth zum Phänomen Wagner und dessen Aktualität sowie die jedes Jahr übliche Vorstellung einiger Mitglieder der Gesellschaft der Freunde bilden den Abschluss dieses reichhaltigen und abwechslungsreichen Almanachs, dessen Inhalt in einem mehr als günstigen Verhältnis zu seinem Preis von nur 20€ steht.

Ref. „Almanach 2014“, Jahrbuch der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V. zu den Bayreuther Festspielen, 2014; hrsg. von der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V., ISBN 13: 978-3-9816697-0-1, 229 S.

Foto: Klaus Billand

Klaus Billand