SINGAPUR: „Der fliegende Holländer“ - Premiere am 23. Oktober 2016

1. Akt Das Holländerschiff mit Daland und Holländer (r)

1. Akt Das Holländerschiff mit Daland und Holländer (r)

Vor etwa zwei Jahren hatten Juliana Lim, die Präsidentin des noch sehr jungen Richard Wagnerverbandes Singapur, sowie ihr Vize-Präsident Ronald Ling eine großartige, zunächst abenteuerlich anmutende Idee, als erste Wagneroper überhaupt in der Geschichte Singapurs den „Fliegenden Holländer“ aufzuführen. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit der lokalen OperaViva Ltd. Das Goethe-Institut Singapur hat das Projekt signifikant gesponsert. So erlebte dieses Frühwerk des Komponisten nun seine Erstaufführung in Singapur. Juliana Lim und Ronald Ling hatten ein ganz besonderes Interesse, die gesamte Produktion mit einem nationalen Regieteam zu machen. Das ist sehr gut gelungen. Sie konnten ein exzellentes und zudem sehr junges „Creative Team“ für das Vorhaben unter der musikalischen Leitung von Darrell Ang gewinnen. Dieser studierte in St. Petersburg und Yale und gewann eine Reihe bedeutender internationaler Preise.

3. Akt Der Norwegerchor

3. Akt Der Norwegerchor

Man wählte in Singapur ganz bewusst ein asiatisches, also ein interkulturelles Regiekonzept für die Interpretation des „Fliegenden Holländer“. Dabei konnte man mit den Bildern, der Choreographie und dem Lichtdesign einmal mehr dokumentieren, wie vielfältig und dabei überzeugend eine Wagneroper inszeniert werden kann. Eine dramaturgisch bedeutende Rolle spielen dabei die von Puppen auf eine Leinwand im Hintergrund geworfenen Schatten, denen eine wichtige Rolle in der Kommentierung des Geschehens auf der Bühne zufällt. So erlebt man beispielweise die gesamte Vorgeschichte des vom Teufel über den Holländer verhängten Fluches während der Ouvertüre in bewegten Bildern einer stürmischen See in Form dieser Scherenschnitte. Das folgte schlüssig der Idee des Gesamtkunstwerks und kann wohl als Innovation des Singapurer Regiekonzepts bezeichnet werden. Die farbenprächtigen und opulenten Kostüme sind asiatischen Kulturkreisen entliehen. Eine atmosphärisch stets das Geschehen treffend untermalende Lichtregie arbeitet mit hohem Abstraktionsgrad auf der Projektionsfläche, die in anderen Momenten auch die Scherenschnitte zeigt. Trotz aller visueller Abstraktion sehen wir aber auch ein gespenstisch anmutendes Holländer-Schiff, das wirkungsvoll in den relevanten Szenen hereingefahren wird. Damit spricht das Regieteam also auch konkret den Mythos des Geisterschiffes an. Es ist hervorzuheben, dass diese Interpretation des „Holländer“ trotz ihres asiatischen Charakters zu jedem Zeitpunkt der Werkaussage und in einem weiteren Sinne den Regieanweisungen Richard Wagners folgt.

Der Holländer

Der Holländer

Die vier bedeutendsten Rollen sind mit internationalen Sängern und einer Sängerin für die Senta besetzt. Zwei von Ihnen (Holländer und Senta) gingen als Preisträger aus dem Internationalen von Eva Wagner-Pasquier geleiteten Gesangswettbewerb in Karlsruhe 2012 und 2015 hervor. Sie war als Ehrengast ebenso wie der Präsident des Richard Wagner-Verbandes International, Horst Eggers, bei der Premiere zugegen. Oleksandre Pushniak gibt einen guten Holländer, Kathleen Parker eine erstklassige Senta, und der Bayreuth-erfahrene Andreas Hörl einen großartigen Daland, alle auch mit sehr guten darstellerischen Qualitäten. Jakub Pustina ist als Erik darstellerisch ebenfalls überzeugend, fällt aber gesanglich etwas ab. Exzellent singt der Singapurer Tenor Jonathan Tay den Steuermann, und auch die Mary von Candice de Rosario kann sich in dem guten Ensemble behaupten. Die Chöre sind facettenreich choreographiert und singen stimmstark. Es wird in der Originalsprache gesungen.

3. Akt Finale

3. Akt Finale

Darrell Ang leitet das Orchester des Singapurer Internationalen Musikfestivals mit viel Verve und Kompetenz und geht sehr gut auf die Sänger ein. Das Orchester ist in seiner Besetzung etwas reduziert, was aber in gutem akustischem Einklang mit dem relativ kleinen Saal des Victoria-Theaters steht. Es werden bis 30. Oktober insgesamt fünf Vorstellungen gegeben. Am 27. Oktober gibt es eine Aufführung mit ausschließlich asiatischen Sängern und Sängerinnen, die man damit an größere Rollen des Opernrepertoires heranführen will.

Fotos: Ngiap Heng Tan

Klaus Billand