BUDAPEST/Staatsoper: Freedom OperaGala zum 25. Jahrestag der Öffnung der Grenzen - 6. September 2014

Staastsoper Budapest bei der FreedomGala

Staastsoper Budapest bei der FreedomGala

Zum Gedenken an die protagonistische Rolle Ungarns zu Beginn des Falls des Eisernen Vorhangs am 10. September 1989 am Neusiedler See zur österreichischen Grenze veranstaltete die Staatsoper Budapest neben einem interessanten Symposium auch eine Freedom OperaGala. Sie sollte eigentlich auf dem Andrássy Boulevard vor der Staatsoper stattfinden, aber das Wetter spielte nicht mit. So entschloss sich Generaldirektor Szilveszter Ókovács schweren Herzens, die Gala auf die Bühne zu verlegen und ließ alle draußen geduldig im Regen Ausharrenden gratis ins Haus. Dem Anlass entsprechend hatte man einige internationale Stars, wie Ferruccio Furlanetto, Anja Kampe, Pjotr Beczala und die Ungarin Andrea Rost, eingeladen. Ihnen gesellte man junge NachwuchskünstlerInnen aus einigen Ländern Europas zu. Das Orchester der Ungarischen Staatsoper spielte und der Chor des Hauses sang unter der musikalischen Leitung von Péter Hálasz. Die meisten Stücke des Abends hatten sinnvollerweise einen direkten Bezug zum Thema Freiheit.

Anja Kampe

Anja Kampe

Das Konzert begann mit Zoltán Kodálys „Tänzen aus Galanta“, die P. Hálasz mit dem Orchester beschwingt und mit enormer Verve musizierte. Das Stück wurde für dieses Orchester komponiert. Anja Kampe sang daraufhin die Arie der Leonore aus „Fidelio“ mit großer Emphase, erstklassiger Diktion und viel Wärme in der Mittelage ihres jugendlich dramatischen Soprans. Dazu gesellte sich ein starker mimischer Ausdruck. So erhielt sie viele Brava! Es folgte der Gefangenenchor aus „Fidelio“ mit dem bestens disponierten Chor der Budapester Staatsoper. Piotr Beczala setzte mit der Arie des Ricardo aus dem 3. Akt fort, wobei er seine exzellente Technik und klare Linienführung unter Beweis stellte und auch ein bemerkenswertes Maß an Italianitá hören ließ. Ferruccio Furlanetto sang danach sensationell gut die Arie des Gremin aus „Eugen Onegin“, mit berückender Phrasierung und dramatischem Ausdruck – schlicht eine Meisterleistung! Besser kann man das wohl nicht mehr singen. Zur Abwechslung folgte eine Ballett-Einlage hinter dem Orchester von Lili Félmery und Bence Apáti zu Auszügen aus „Tristan und Isolde“ einschließlich Isoldes Liebestod – eine fantasievoll choreografierte und bestens auf Wagners Musik abgestimmte Darbietung.

Die NachwuchskünstlerInnen: Zita Szemere, Alena Kropácková, Péter Balczó, Tomasz Kumiega und Patrick Hahn als Dirigent

Die NachwuchskünstlerInnen: Zita Szemere, Alena Kropácková, Péter Balczó, Tomasz Kumiega und Patrick Hahn als Dirigent

Nun kamen die jungen Künstlerinnen zu Wort, und zwar zunächst Zita Szemere, Alena Kropácková, Péter Balczó und Tomasz Kumiega unter der musikalischen Leitung des erst 19-jährigen (!) Patrick Hahn. Alle vier sangen mit viel Engagement und guten Stimmen. Die Slowakin Alena Kropácková fiel mit einer engagiert und mit ihrem klangschönen Mezzo ausdrucksvoll gestalteten Maddalena auf. Sie erinnert optisch, aber auch stimmlich etwas an die junge Garanca. Ob es in die gleiche Richtung geht…?

Andrea Rost

Andrea Rost

Weiter ging es erst mal mit den Stars. Unter einem begeisterten Auftrittsapplaus erschien die Ungarin Andrea Rost und sang Melindas Arie aus dem 3. Akt der ungarischen Nationaloper „Bánk bán“. Sie meisterte das Stück mit einem klaren und prägnanten Sopran bei guter Tiefe und starkem emotionalem Ausdruck. Riesenapplaus! Piotr Beczala und der ungarische Bariton Mihály Kálmándi sangen sodann das Freiheits-Duett von Don Carlo und Posa aus „Don Carlo“. Mit ihren bestens aufeinander abgestimmten Stimmen konnten die den Freiheitsgeist, der aus diesem Duett spricht, eindruckvoll vermitteln. Ferruccio Furlanetto und Mihály Kálmándi setzten mit dem Duett Filippo und Posa aus „Don Carlo“ fort. Es wurde so etwas wie ein Höhepunkt der Gala, denn die emphatische Intensität, die beide in ihrem jeweils ganz unterschiedlichen Ansinnen hier zeigten, war einfach sensationell. Als Furlanetto schließlich sein „Ti guarda dal Grande Inquisitor! Ti guarda!“ Posa entgegenschleuderte, konnte einem der Schauer über den Rücken laufen…

Furlanetto unf Kálmándi

Furlanetto unf Kálmándi

Es ging aber auf diesem Weltklasse-Niveau weiter mit Anja Kampe und „Isoldes Liebestod“ aus dem Finale von „Tristan und Isolde“. Auch das konnte mehr als berühren, denn die Mimik, die Kampe dabei zeigte, und ihr farbenreicher sowie zu großer emotionaler Intensität fähiger Sopran ließen für das Wagner-Herz keine Wünsche offen. Deutete sich hier vielleicht schon die „Walküre“-Brünnhilde an…? Es folgte der Gefangenenchor aus „Nabucco“, wobei der Chor der Budapester Staatsoper die ganze Beklemmung der Gefangenen emotional eindrucksvoll umsetzte. Ferruccio Furlanetto sang danach das Gebet des Zaccaria aus „Nabucco“ mit seinem sonor timbrierten und klangvollen Bariton, sowie mit großer Verinnerlichung.

Ferrucchio Furlanetto

Ferrucchio Furlanetto

Zum Finale der OperaGala wurde es dann etwas heiterer, und Piotr Beczala brillerte einmal mehr mit einem leuchtend tenoral geschmetterten „Freunde, das Leben ist lebenswert…“ aus „Giuditta“. Er sang es mit perfekter Diktion, großer Emotion und blendender Höhe. Den umjubelten Abschluss bildete natürlich die „Falstaff“-Fuge „Tutto nel mondo è burla“ von G. Verdi – wie sollte es auch anders sein…?! Für große Stimmung und gesangliche Qualität dabei sorgten die NachwuchskünstlerInnen Leon Kosavic, Nikos Kotenidis, Péter Balczó, Sara Rossini, Mojca Bitenc, Gemma Ní Bhriain, Violette Polchi, Zoltán Megyesi, Tamás Kóbor, Géza Gábor, und es dirigierte Pierre Dumoussaud.

NachwuchskünstlerInnen Nikos Kotenidis, Mojca Bitenc, Gemma Ní Bhriain und Géza Gábor bei „Falstaff“-Fuge „Tutto nel mondo è burla“

NachwuchskünstlerInnen Nikos Kotenidis, Mojca Bitenc, Gemma Ní Bhriain und Géza Gábor bei „Falstaff“-Fuge „Tutto nel mondo è burla“

Die OperaGala war ein im wahrsten Sinne des Wortes krönender Abschluss des interessanten Events „Ungarn für Deutschland“ – Opera for Europe 1889-2014 in Budapest.

Foto: Attila Nagy

Klaus Billand