ZÜRICH: „Lohengrin“ Premiere - 21. September 2014

“O´zapft is…”

Am 21. September hatte die „Lohengrin“-Inszeneriung des Zürcher Intendanten Andreas Homoki in Koproduktion mit der Wiener Staatsoper am Opernhaus Zürich Premiere, und es wurde ein großer Erfolg. Staatsoperndirektor Dominique Meyer war auch anwesend und wurde als Koproduzent bei der Premierenfeier von Homoki als erster für die Zusammenarbeit mit dem Haus am Ring gewürdigt. Homokis Konzept, in den Bühnenbildern und Kostümen von Wolfgang Gussmann und mit der stimmungsverstärkenden Lichtgestaltung durch Franck Evin die politische Dimension des „Lohengrin“-Stoffes auf die Mikroebene einer Dorfgesellschaft mit Zentraltreffpunkt Wirthaus herunter zu brechen, ging in Zürich voll auf. Es sorgte für große Spannung in der Enge der getäfelten Bühnenbox, in der die Dramatik der persönlichen Schicksale mit einer ausgefeilten Personenregie intensiv herausgearbeitet wurde. Sicher konnte man sich einmal mehr an der allzu rustikalen Ästhetik des Lodenkultes und der Krachledernen mit Stulpen – gerade auch angesichts der Mystik der „Lohengrin“-Welt – stören. Witzigerweise passte das diesmal aber ganz gut in die Oktoberfestwoche, frei nach dem Motto „O´zapft is…“, denn auch in Zürich gingen donnernd die Bierhumpen auf den Wirtshaustisch nieder. Immerhin beginnt auch an der Limmat in einigen Tagen das Zürcher Oktoberfest, mit seiner 9. Ausgabe. Das Timing schien also perfekt, oder ob das ein Zufall war…?!

Telramund und Ortrud

Telramund und Ortrud

Lohengrin wird wieder gezeigt als ein Gralsritter, der der menschlichen Eiseskälte des Grals entflieht, um auf die Erde zu den Menschen zu kommen und dort auch seine Emotionen zu realisieren, in dem er Gutes tut und einen Traum verwirklicht. Noch von der Kälte des Grals zitternd erblickt er das Licht der Wirtshauswelt, findet sich aber schneller als man schauen kann im Janker mit Lederhose wieder und scheitert letztlich mit Elsa an der Utopie eines Zusammenlebens in völligem Vertrauen.

Elsa und Chor

Elsa und Chor

Überaus glaubhaft machte dies einmal mehr Klaus Florian Vogt mit seinem Debut als Lohengrin am Opernhaus Zürich. Er war der Star des Abends und sang die Titelrolle scheinbar mit noch mehr Pathos und Sinn für Feinheiten als bisher erlebt – sicher der weltbeste Lohengrin unserer Tage, auch wenn man über sein Timbre unterschiedlicher Ansicht sein kann. Es passt jedenfalls zum Lohengrin! Ob Roberto Alagna da mitkommt in Bayreuth 2018 wird zumindest spannend. Elza van den Heeven gab die Elsa in ihren Haus-Debut engagiert, mit großer Emotion und Empathie, sowie einem durchschlagskräftigen und absolut höhensicheren Sopran bei sehr hoch liegendem Timbre, bisweilen begrenzter stimmlicher Beweglichkeit und insbesondere im 3. Akt zu wenig Tiefe. Petra Lang bestach wie immer als Ortrud durch ihre intensive Mimik und Bühnenpräsenz sowie mit ihrem auch bei den „Entweihten Göttern…“ und „Fahr heim…“ spielend jede dramatische Anforderung der Partie meisternden dramatischen Sopran. Martin Gantner mit seinem Rollendebut als Telramund konnte den schon im Vorspiel als Verlierer dargestellten arg Manipulierten glaubhaft verkörpern und sang ihn mit einem prägnanten, allerdings zu kraftbetonten Heldenbariton. Christof Fischesser war ein solider König Heinrich, nicht immer ganz intonationssicher, Michael Kraus ein eindringlicher Heerrufer mit Rollendebut. Der von Jürg Hämmerli einstudierte Chor der Oper Zürich mit diversen Zusatzchören sorgte für enorme musikalische und dramaturgische Intensität – eine ganz große Leistung!

Schlussapplaus

Schlussapplaus

Simone Young leitete die Philharmonia Zürich engagiert und oft mit sehr schellen Tempi. Bei bisweilen guter Feinzeichnung, gerade im Duett des 3. Aktes, wirkte zumindest im mittleren Parkett einiges zu laut, auch angesichts des im Vergleich zu Wien doch relativ kleinen Hauses. Hierzu trug auch die Schallverstärkung der Stimmen durch die Bühnenbox bei. Die auch der „Lohengrin“-Musik innewohnende Mystik war an diesem Abend nicht zu hören – vielleicht hätte sie auch nicht zu diesem Regiekonzept gepasst…

Fotos 2,3: Monika Rittershaus
Fotos 1,4: Klaus Billand

Klaus Billand aus Zürich