SALZBURG/Festspiele: „Der Rosenkavalier“, WA 20. August 2015

Glänzende Wiederaufnahme

1. Akt

1. Akt

Am Abend in der Wiederaufnahme des „Rosenkavalier“ in der glänzenden Inszenierung des Altmeisters Harry Kupfer und seines kongenialen Bühnenbildners Hans Schavernoch aus dem Vorjahr wurde zu einem Triumph für die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz. Krassimira Stoyanova als Marschallin, Günther Groissböck als Ochs, Sophie Koch als Octavian, die alle schon im Vorjahr ihre Rollen verkörperten, standen in der Gunst den Publikums beim Schlussapplaus um nichts nach. Auch die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst bekamen erste Noten vom Publikum. Es war sicher einer der glanzvollsten Abende bei den diesjährigen Festspielen – irgendwie war es schon zu Beginn an der Erwartungshaltung einiger Festspielbesucher zu merken.

2. Akt

2. Akt

Golda Schultz konnte mit feinstem Legato ihres klangvollen Soprans begeistern und ebenso mit großer Spielfreude. Krassimira Stoyanova gab der Marschallin eine ganz besonderes und so nachdenkliches wie sinnliches Flair und lies ihren geschmeidigen Sopran in allen Lagen mit schönsten Facetten erklingen. Günther Groissböck spielte dieses Jahr den Ochs noch souveräner, noch spielfreudiger als im Vorjahr und dokumentierte, was er in Höhen und letzten Tiefen mit seinem edlen Bass anstellen kann, auch mit den so speziellen Herausforderungen einer Rolle wie dem Ochs auf Lerchenau. Sophie Koch war ein prägnant singender und beherzt spielender Octavian und konnte alle Aspekte der gerade in dieser Inszenierung so facettenreichen Rolle mit ihrer ganzen Ernsthaftigkeit, Komik und Emotionen mit seiner Zukünftigen, Sophie, ausloten. Ebenfalls eine ganz große Leistung. Adrian Eröd gab wieder eine gute Charakterstudie des Herrn von Faninal und war ebenso wie die Vorgenannten bestens bei Stimme. Alle Nebenrollen waren ebenfalls sehr gut besetzt.

Finale

Finale

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor und er Kinderchor hatten ihren wesentlichen Anteil am Erfolg dieses Abends. Die Wiener Philharmoniker zeigten unter Franz Welser-Möst einmal mehr, wie gern sie Richard Strauss spielen und mit welcher Intensität sie die vielschichtige Partitur des Garmischer Meisters umzusetzen verstehen. Die Blechbläser, allen voran die Hornisten, hatte einen ganz vorzüglichen Abend, ebenso wie die Streicher mit Konzertmeister Honek.

Harry Kupfer, der in der Vorwoche 80 Jahre alt (man möchte fast sagen „jung“) geworden war, sagte am Vormittag bei einer bis auf letzen Platz ausgebuchten Veranstaltung im Schüttkasten, dass er lange Jahre Berührungsängste mit dem „Rosenkavalier“ hatte, auch noch an der Komischen Oper Berlin, weil er sich das Stück nur mit ganz hervorragenden Sängern und einem adäquaten Orchestergraben vorstellen konnte. Und dabei war er über den „Rosenkavalier“ zu seinem Beruf als Opernregisseur gekommen.

Schlussapplaus G. Schultz und K. Stoyanova

Schlussapplaus G. Schultz und K. Stoyanova

Man merkt dieser Produktion an, wie viel Verständnis des Werkers, welches er in Salzburg in seiner Entstehungszeit angesiedelt hat, hier zu Realisierung kommt, ohne auf komische und durchaus neuartige Aspekte der „Rosenkavalier“-Dramaturgie, zumal der Rolle des Ochs, zum Einsatz gekommen ist. Kupfer hat hier beste Feinarbeit bei der Personenführung geleistet, alle Figuren sich klar gezeichnet und das durchgängig durch das ganze Stück. Die großen Projektionen des imperialen Wiens bis in den Prater treffen wich bestens mit den wenigeren, aber geschickt changierenden Requisiten und den im Mobiliar angedeuteten Jungendstilelementen. Nur zu schade, wenn diese exeptionelle Produktion einmal nicht mehr zu sehen sein wird!

Fotos: 1-3 Monika Rittershaus
4 -5 Klaus Billand

Klaus Billand