AMSTERDAM: Die Walküre - WA 20. April 2013

Sieglinde und Siegmund 1. Aufzug

Sieglinde und Siegmund 1. Aufzug

Nach nunmehr 15 Jahren nahm die Niederländische Oper (Het Muziektheater) die Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ in der Inszenierung von Pierre Audi im Jahr des 200. Geburtstags des Komponisten wieder auf. Wer vielleicht meint, dass so etwas nur ein Aufguss sein kann, hat weit gefehlt. Diese Produktion – bisher sind „Das Rheingold“ und „Die Walküre“ über die Bühne gegangen – hat an ihrer bemerkenswerten Qualität und Frische nichts eingebüßt. Das Regiekonzept von Audi und seinem Dramaturgen Klaus Bertisch, dem Bühnenbildner George Tsypin (der 2003 auch den gelungenen „ossetischen“ „Ring“ in St. Petersburg ausstattete), der bereits verstorbenen Kostümbildnerin Eiko Ishioka und ihres Kollegen Robby Duiveman, den Lichtdesignern Wolfgang Goebbel und Cor van den Brink sowie dem Videokünstler Maarten van der Put konnte das Amsterdamer Publikum auch nach so langer Zeit wieder begeistern.

Siegmund 1. Aufzug

Siegmund 1. Aufzug

Es ist ein ganz und gar ungewohntes Konzept, aber so gelungen wie ungewohnt. Der Amsterdamer „Ring“ spielt auf einer riesigen Holzscheibe, die stark zum Parkett hin geneigt ist und nicht nur eine interessante Choreografie sondern auch effektvolle Auf- und Abgänge ermöglicht. Das Orchester sitzt in einem großen Einschnitt in dieser Scheibe auf der rechten Seite, der Dirigent stehend und die meisten Musiker allzeit sichtbar. Sie werden so zum integralen Bestandteil der Produktion, stören nicht den dramaturgischen Ablauf um sie herum. Nebenbei ermöglicht dies den SängerInnen, auf der Vorderbühne neben oder bisweilen gar vor dem Orchester aus einer akustisch vorteilhafteren Position zu singen und somit eine größere stimmliche Wirkung zu erzielen.

Hunding und Siegmund 2. Aufzug

Hunding und Siegmund 2. Aufzug

In der „Walküre“ dräut im 1. Aufzug über dem Geschehen eine bedrohlich fast ins Publikum hinein ragende Gruppe von Holzbalken, die spitz zulaufen und damit sofort ein kriegerisches Bild der Angriffslust entfalten. Nicht zufällig steckt in ihnen auch das Schwert, welches Siegmund in einem geschwisterlichen Kraftakt später mit Sieglinde befreit. Die Hundinghütte ruht darauf und fährt bei der Schwertgewinnung effektvoll in einem Flammenstoß gewissermaßen zur Hölle… Sieglinde bietet sich dort oben feierlich ihrem Bruder zur geschwisterlichen Liebe an, und im 2. Aufzug zuckt bei Siegmunds Schwertbruch im Kampf mit Hunding ein greller Blitz aus Wotans Speer, der schräg über dieser Balkengruppe hängt und genau in diesem Moment mit ihr in direkten Kontakt kommt. Selten hat der Rezensent diese Szene so ideenreich, authentisch und effektvoll erlebt – dagegen ist das bei S.-E. Bechtolf in Wien nur eine müdes und kaum sichtbares Getändel zwischen dunklen Baumstämmen. Von hier oben postuliert Wotan durchaus pathetisch seinen Wunsch nach dem „Ende“. Immer wieder ist diese erhöhte Installation also Fokus der Handlung, gehen von ihr die entscheidenden Impulse aus.In der „Walküre“ dräut im 1. Aufzug über dem Geschehen eine bedrohlich fast ins Publikum hinein ragende Gruppe von Holzbalken, die spitz zulaufen und damit sofort ein kriegerisches Bild der Angriffslust entfalten. Nicht zufällig steckt in ihnen auch das Schwert, welches Siegmund in einem geschwisterlichen Kraftakt später mit Sieglinde befreit. Die Hundinghütte ruht darauf und fährt bei der Schwertgewinnung effektvoll in einem Flammenstoß gewissermaßen zur Hölle… Sieglinde bietet sich dort oben feierlich ihrem Bruder zur geschwisterlichen Liebe an, und im 2. Aufzug zuckt bei Siegmunds Schwertbruch im Kampf mit Hunding ein greller Blitz aus Wotans Speer, der schräg über dieser Balkengruppe hängt und genau in diesem Moment mit ihr in direkten Kontakt kommt. Selten hat der Rezensent diese Szene so ideenreich, authentisch und effektvoll erlebt – dagegen ist das bei S.-E. Bechtolf in Wien nur eine müdes und kaum sichtbares Getändel zwischen dunklen Baumstämmen. Von hier oben postuliert Wotan durchaus pathetisch seinen Wunsch nach dem „Ende“. Immer wieder ist diese erhöhte Installation also Fokus der Handlung, gehen von ihr die entscheidenden Impulse aus.

Die Walküren 3. Aufzug

Die Walküren 3. Aufzug

Das alles würde aber nicht die schon allein theatralisch beeindruckende Wirkung erzielen, wenn das Regieteam nicht eine ausgezeichnete Personenregie entwickelt hätte, die auch nach 15 Jahren wie gerade erst einstudiert wirkt. Die wohl nach einer Idee von Eiko Ishioka asiatisch gestylten schwarzen Kostüme der Walküren wirken zudem dezent elegant und haben doch auch etwas Mythisches. Denn die Wotanstöchter führen interessant geformte Flügel, mit denen sie in einer fantasievollen Choreografie den Walkürenritt verfeinern. Überhaupt zitiert Audi bei allem zeitlosen und klar konturierten Design mit einem relativ hohen Abstraktionsgrad immer wieder den Wagnerschen Mythos, ohne den jeder „Ring“ eigentlich blass bleiben muss. So stützt sich die alt gewordene Fricka auf zwei Krücken mit echten Widderköpfen, während Brünnhilde als Todesbotin einen silbernen Totenschädel als Helm trägt. Als Wotan sich gegen Ende des Dialogs mit Brünnhilde im 3. Aufzug die seinen Kampfeswillen betonende rote Toga mit metallisch gerüstetem Arm ablegt, kommt darunter ein weißes Gewand mit der Weltesche hervor… Insgesamt kommt Audi mit seiner Interpretation der „Walküre“, die bei aller dramaturgischen Intensität auch das Orchester optisch einbindet, der Idee des Wagnerschen Gesamtkunstwerks sehr nahe. Diese Produktion wirkt wie aus einem Guss und ist stets ungemein spannend. Die gute Lichtregie leistet dabei hochqualitative Dienste.Das alles würde aber nicht die schon allein theatralisch beeindruckende Wirkung erzielen, wenn das Regieteam nicht eine ausgezeichnete Personenregie entwickelt hätte, die auch nach 15 Jahren wie gerade erst einstudiert wirkt. Die wohl nach einer Idee von Eiko Ishioka asiatisch gestylten schwarzen Kostüme der Walküren wirken zudem dezent elegant und haben doch auch etwas Mythisches. Denn die Wotanstöchter führen interessant geformte Flügel, mit denen sie in einer fantasievollen Choreografie den Walkürenritt verfeinern. Überhaupt zitiert Audi bei allem zeitlosen und klar konturierten Design mit einem relativ hohen Abstraktionsgrad immer wieder den Wagnerschen Mythos, ohne den jeder „Ring“ eigentlich blass bleiben muss. So stützt sich die alt gewordene Fricka auf zwei Krücken mit echten Widderköpfen, während Brünnhilde als Todesbotin einen silbernen Totenschädel als Helm trägt. Als Wotan sich gegen Ende des Dialogs mit Brünnhilde im 3. Aufzug die seinen Kampfeswillen betonende rote Toga mit metallisch gerüstetem Arm ablegt, kommt darunter ein weißes Gewand mit der Weltesche hervor… Insgesamt kommt Audi mit seiner Interpretation der „Walküre“, die bei aller dramaturgischen Intensität auch das Orchester optisch einbindet, der Idee des Wagnerschen Gesamtkunstwerks sehr nahe. Diese Produktion wirkt wie aus einem Guss und ist stets ungemein spannend. Die gute Lichtregie leistet dabei hochqualitative Dienste.

Wotan und die Walküren 3. Aufzug

Wotan und die Walküren 3. Aufzug

Das alles würde aber nicht die schon allein theatralisch beeindruckende Wirkung erzielen, wenn das Regieteam nicht eine ausgezeichnete Personenregie entwickelt hätte, die auch nach 15 Jahren wie gerade erst einstudiert wirkt. Die wohl nach einer Idee von Eiko Ishioka asiatisch gestylten schwarzen Kostüme der Walküren wirken zudem dezent elegant und haben doch auch etwas Mythisches. Denn die Wotanstöchter führen interessant geformte Flügel, mit denen sie in einer fantasievollen Choreografie den Walkürenritt verfeinern. Überhaupt zitiert Audi bei allem zeitlosen und klar konturierten Design mit einem relativ hohen Abstraktionsgrad immer wieder den Wagnerschen Mythos, ohne den jeder „Ring“ eigentlich blass bleiben muss. So stützt sich die alt gewordene Fricka auf zwei Krücken mit echten Widderköpfen, während Brünnhilde als Todesbotin einen silbernen Totenschädel als Helm trägt. Als Wotan sich gegen Ende des Dialogs mit Brünnhilde im 3. Aufzug die seinen Kampfeswillen betonende rote Toga mit metallisch gerüstetem Arm ablegt, kommt darunter ein weißes Gewand mit der Weltesche hervor… Insgesamt kommt Audi mit seiner Interpretation der „Walküre“, die bei aller dramaturgischen Intensität auch das Orchester optisch einbindet, der Idee des Wagnerschen Gesamtkunstwerks sehr nahe. Diese Produktion wirkt wie aus einem Guss und ist stets ungemein spannend. Die gute Lichtregie leistet dabei hochqualitative Dienste.

Wotan und die Walküren 3. Aufzug

Wotan und die Walküren 3. Aufzug

Dazu konnte sich die Intendanz der Nederlandse Opera glücklich schätzen, einige der besten Ihres Faches an diesem 1. Abend des „Ring“ zu versammeln. Allen voran Catherine Foster, die im Juli bekanntlich die Bayreuther Brünnhilde sein wird und wieder mit hochdramatischer Tongebung und ausdrucksstarker Mimik begeistert. Die Brünnhilde ist Foster mittlerweile auf den Leib geschrieben, sie hat die Rolle enorm verinnerlicht und kann sich somit voll der stimmlichen Leistung widmen, die keine Wünsche offen lässt, zumal was die Höhen mit ihrem hochdramatischen Aplomb betrifft. Diese singt wohl keine Rollenvertreterin zur Zeit so gut wie sie. Fosters Partner als Wotan war wie schon oft Thomas Johannes Mayer, der ebenfalls eine erstklassige Leistung bietet, wobei insbesondere seine blendende Höhe besticht. Auch im Ausdruck hat sein Wotan in letzter Zeit sehr an Kontur gewonnen, was möglicherweise auch auf die Mitarbeit im Münchner Kriegenburg-„Ring“ bewirkt hat. Christopher Ventris wird als Siegmund sowie zuletzt auch als Parsifal in Amsterdam stimmlich immer besser und dramatischer. Er zeigt eine emphatische und überaus engagierte Rollenstudie des Siegmund und kann mit seinem kräftigen, gut geführten Tenor beeindrucken, der nur bei manchen Höhen nicht immer ganz klangrein bleibt. Die Wälse-Rufe gelingen ihm jedoch glänzend. Catherine Naglestad ist eine stimmstarke und emotional einnehmende Sieglinde, mit intensivem schauspielerischem Ausdruck, guter stimmlicher Attacke und Höhe, jedoch mit einem bisweilen leicht kehligen Klang in der Tiefe. Beide sind ein nahezu ideal wirkendes Paar, welches etwas an Peter Hofmann und Jeannine Altmeyer in Bayreuth 1976 erinnerte.

Wotan mit Brünnhilde 3. Aufzug

Wotan mit Brünnhilde 3. Aufzug

Der noch recht junge Günther Groissböck gehört ganz sicher wie alle bisher Genannten zu den besten in seiner Rolle als Hunding. Er hat einen sehr kultiviert geführten vielseitigen Bass, den er mit großer Wortdeutlichkeit singt. Dazu ist er darstellerisch beängstigend präsent. Auf Groissböck sollten bald größere Herausforderungen zukommen. Die verdiente Doris Soffel fällt als Fricka gegen die Vorgenannten ab, ihr Mezzo wirkt etwas erschöpft. Sie gibt jedoch eine eindringliche Rollenstudie der ihren Mann ultimativ warnenden Ehefrau, insgesamt deshalb auch noch eine gute Leistung. Audi zeigt sie als alternde Frau, die offenbar ihre letzten Kraftreserven für das Treffen mit Wotan aufbringt und schließlich als alte gebrochene Frau die Bühne verlässt – das waren starke Bilder. Das Walkürenoktett ist diesmal durch die Bank sehr gut, allen voran Marion Ammann als Gerhilde (die ja normalerweise die Sieglinde oder die Isolde sowie die Elsa singt…), gefolgt von Martina Prins als Ortlinde, Lien Haegeman als Waltraute, Julia Faylenbogen als Schwertleite, Elaine McKrill als Helmwige, Wilke de Brummelstroete als Siegrune, Helena Rasker als Grimgerde und schließlich Cécile van de Sant als Rossweiße.

Wotans Abschied-Feuerzauber

Wotans Abschied-Feuerzauber

Der exzellente Hartmut Haenchen am Pult des Niederländischen Philharmonischen Orchesters dokumentierte einmal mehr seine große Affinität für Wagners Musik und leitete das Orchester mit viel Verve und Impetus. Stets war auch schon aufgrund der Optik eine starke Spannung zwischen der Musik und dem Geschehen gleich daneben. Es entstand ein herrlicher Wagner-Sound, der nur hier und da bisweilen etwas zu laut für die SängerInnen wurde. Haenchen ließ aber durchaus auch etwas Pathos zu, welches zu dieser Produktion gut passte. Auf „Siegfried“ im Herbst kann man gespannt sein. Die Niederländische Oper ist mit diesem sehenswerten „Ring“ auf dem besten Wege, dem Bayreuther Meister in seinem Jubiläumsjahr standesgemäß die Ehre zu erweisen.

Fotos: Marco Borggreve

Klaus Billand

Ring des Nibelungen