GENF: „Das Rheingold“ am Grand Théâtre de Genève, Kurzkritik - 13. Mai 2014

Alberich und die Nibelungen 2. Bild

Alberich und die Nibelungen 2. Bild

Das Grand Théâtre von Genf und das Genfer Opernpublikum sind nun im Wagner-Fieber. Gestern Abend begann der erste von zwei Zyklen des „Ring des Nibelungen“ in der zum 200. Geburtstag Richard Wagners 2013 begonnenen Neuinszenierung von Dieter Dorn und seinem langjährigen Bühnen- und Kostümbildner Jürgen Rose. Es war ein starker Auftakt, sowohl musikalisch unter Ingo Metzmacher wie auch szenisch und dramaturgisch. Von den Altmeistern Dorn/Rose und der dramaturgischen Unterstützung durch Hans-Joachim Ruckhäberle („Zu allen Zeiten ist der Mythos Wahrheit“) war sicher kein Wagnersches Regietheater zu erwarten. Sie zeigen aber mit großer gestalterischer Kompetenz und einer ausgezeichneten Personenregie, wie man auch heute noch die Rolle des Mythos im „Ring“ sinnhaft dokumentieren und in Beziehung zum muskalkischen Gehalt setzen kann. Von einigen wenigen überflüssigen Details abgesehen war es ein kurzweiliges „Rheingold“, zumal auch einige neue, aber stetes in Einklang mit Wagners Vorgaben stehende Einfälle zu erleben waren. Heinz Wanitschek sorgte extra für eine Perfektionierung des körperlichen Ausdrucks, was alle ProtagonistInnen beeindruckend umsetzten. Die gute Lichtregie von Tobias Löffler sorgte für passende Stimmungswechsel und sublime Untermalung des Geschehens auf der bis an die Brandmauer ausgespielten Bühne des GTG – das allein schon ein großes Verdienst für einen „Ring“-Regisseur.

Alberich und die Götter 4. Bild

Alberich und die Götter 4. Bild

Das Regieteam nahm ganz offenbar Wagner beim Wort, ohne dass die Produktion in irgendeiner Weise altbacken wirkte – ein schmaler Grat, auf dem es sich aufgrund exzellenter Werk-Kenntnis geschickt bewegte. Bezüge zur Realität unserer Jahrzehnte wurden als Video-Clips von Jana Schatz noch vor das Vorspiel gesetzt, so als ob man suggerieren wollte, dass das alles, was dann nach Wagner zu sehen war, auch in unserer Zeit geschehen (sein) könnte.

Finale

Finale

Die sängerischen Leistungen lagen allgemein auf hohem Niveau. Ganz hervorragend der Loge von Corby Welch mit seinem Debut am GTG, ein klangvoller, gschmeidig singender Tenor mit heldischem Aplomb. Elena Zhidkova sang eine prägnante, jungendlich fordernde Fricka mit perfekter Diktion und Mimik. Steven Humes gab einen außerordentlich klangschönen Fafner mit intensivem Spiel. John Lundgren markierte einen starken Alberich nicht immer ganz auf Gesangslinie, aber emotional beeindruckend. Er bekam folglich den meisten Applaus. Maria Radner sang eine ausgezeichnete Erda und Agneta Eichenholz eine sehr gute und agile Freia. Andreas Conrad machte mit seinem starken Auftritt als Mime auf den „Siegfried“ gespannt. Der gute alte Tom Fox ist immer noch ein imponierender Wotan, insbesondere mit seiner starken Höhe und ausgeprägten Attacke und seiner großen Persönlichkeit auf der Bühne. Gegen Ende forderte seine jedoch bisweilen zu stark auf Kraft setzende Technik jedoch leichten Tribut.

Schlussapplaus

Schlussapplaus

Ingo Metzmacher legte besonderen Wert auf eine fein zeichnende, ja immer wieder nahezu lyrisch anmutende musikalische Linienführung. Nie wurde es an diesem Abend zu laut, aber Steigerungen konnten umso dezidierter vor dem oftmals kammermusikalischen Ton heraus gearbeitet werden. Exzellent die Bläsergruppen des Orchestre de la Suisse Romande. Am Schluss rief Loge sechs Harfen auf die Bühne – es passte zum Finale, in dem man auf einen Luftballon-Aufstieg nach Walhall im Pappkarton à la Barrie Kosky hätte verzichten können.
(Detaillierte Rezension folgt).

Fotos: Carole Parodi/GTG, K. Billand: Schlussapplaus

Klaus Billand

Ring des Nibelungen