LINZ/Landestheater: "Die Walküre" - Premiere 22. März 2014

Das neue Linzer Landestheater in Ring-Erwartung

Das neue Linzer Landestheater in Ring-Erwartung

Uwe Eric Laufenbergs neue „Ring“-Inszenierung in den Bühnenbildern von Gisbert Jäkel und den Kostümen von Antje Sternberg ging am gestrigen Abend nach einem nicht ganz überzeugenden „Rheingold“ in letzten Oktober mit der „Walküre“ in die zweite Runde. Von den im „Rheingold“ noch nomadisierenden Göttern war nichts mehr zu sehen. Sie haben sich ebenso wie Hunding und seine Stammesgenossen in allseits bekannter Räumlichkeit niedergelassen, wenngleich der 3. Aufzug mit einem Ausflug in die Spanische Hofreitschule, trotz Fehlens von Schimmeln, aber immerhin mit einem bestens trainierten Braunen, doch eine gewisse, vielleicht nicht ganz passende Neuerung darstellte. Dafür griff das Regieteam für Wotans Tross im Feldbefehlsstand wieder einmal auf die allzu abgedroschene Nazi-Ästhetik zurück. Schiebermützen und Reiterwichs mit dem entsprechenden militärischen Handgruß zum Überdruss feierten einmal mehr – und sicher unnötigerweise – fröhliche, pardon, traurige Urständ. Umso anmutiger und einfallsreicher war dagegen die Bebilderung der bisweilen langatmigen Todesverkündigung durch Brünnhilde, während der Siegmund zu ihrer Erzählung von Walhall wie in einem Traumbild Wotan mit Fricka bei einem allzu hellen Rotwein umgeben von den lockenden Wunschmädchen gewahrte…

Ring-Kunstwerk vor dem Theater

Ring-Kunstwerk vor dem Theater

Ein erfreuliches Erlebnis war, wie gut Gerd Grochowski mit der so fordernden Rolle des Wotan zurecht kam. Mit stets farbiger Tiefe und guter Höhe gestaltete er die Rolle bei nicht ganz so großer Stimme wie die bekannten Protagonisten in diesem Fach vor allem sängerisch und konnte mit seinem eher verhaltenen Spiel Souveränität ebenso wie Menschlichkeit überzeugend vermitteln. Elena Nebera, die immerhin schon Turandot und Elektra gesungen hat und gleichzeitig die Kaiserin in der „Frau ohne Schatten“, nicht unbedingt verwandte Fächer, gab wohl ihr Rollendebut als Brünnhilde – (noch) nicht ganz überzeugend. Mit einem dunkel getönten Timbre vermochte sie viel charakterlichen Ausdruck mit ihrer Stimme zu vermitteln, bei ebenso emphatischem Spiel. Auch gelangen die Spitzentöne und langen Bögen durchwegs gut, wurden aus der Struktur mir guter Leuchtkraft heraus gesungen. Allein, in der Mittellage klingt ihr Sopran noch zu unartikuliert, ja bisweilen verquollen und nur selten verständlich. Hieran sollte und kann die Sängerin noch arbeiten, um eine insgesamt gute Brünnhilde zu singen. Ihr „Hojotoho“ war jedenfalls ein Hinweis darauf, dass es möglich werden könnte, wenngleich dies kein Gradmesser für die „Walküre“-Brünnhilde-Qualität sein kann.

Albert Pesendorfer war der gewohnt exzellente Hunding, ganz so, wie man ihn sich vorstellt, stimmlich wie darstellerisch. Michael Bedjai wirkte im 1. Aufzug als Siegmund noch recht unsicher mit labilem Stimmsitz und allzu baritonaler Färbung seines durchaus für den Siegmund geeigneten Tenors. Im 2. Aufzug verbesserte er sich signifikant und konnte schließlich einen großen Publikumserfolg landen. Dennoch wäre hier an der Technik zu arbeiten. Brit-Tone Müllertz war eine junge und sehr engagierte Sieglinde mit klarem hellem, jedoch kaum charaktervollem Sopran, die mühelos insbesondere alle Höhen der Partie meisterte. Karen Robertson war als abgesungene Fricka der stimmliche Schwachpunkt des Abends. Das Walküren-Oktett sang in seiner Mehrheit ansprechend und im Ensemble sehr durchschlagskräftig.

Schlussapplaus mit Russel davies

Schlussapplaus mit Russel davies

Dennis Russel Davies bewies mit dem Bruckner Orchester Linz, dass seine jahrelange Erfahrung der konzertanten „Ring“-Abende in der Linzer Bruckner-Halle mit diesem hochwertigen Ensemble nun auch in einer geschlossenen „Ring“-Inszenierung bemerkenswerte Früchte trägt. Herrliche Celli, überhaupt der gesamte Streichersatz, dazu wohlklingende Wagnertuben, eine erstklassige Bassklarinette und warme Holzbläser bildeten das starke musikalische Rückgrat dieses Abends, bestens zur Geltung gebracht durch die hervorragende Akustik des neuen Linzer Hauses. Auch im 2. Rang hörte man das Orchester mit bester Transparenz und allen relevanten Details bei den Soli. Manche Tempi wirkten unter Russel Davies allerdings zu langsam und manchmal gar gedehnt, insbesondere im 1. und in Teilen des 2. Aufzugs.

Finale 3. Aufzug

Finale 3. Aufzug

Das neue Linzer Landestheater scheint mit diesem „Ring“, wenn nicht schon vorher, seine Feuertaufe zu bestehen. Unerklärlich muss allerdings bleiben, dass eine erhebliche Zahl an Plätzen nicht nur im Parkett, sondern auch auf den Rängen, frei blieb. Das ist für eine „Walküre“-Premiere an einem österreichischen Haus eigentlich nicht entschuldbar. Man sollte in Linz schnellstens die Freikarten-Politik für Opernpremieren überdenken…

Die detaillierte Rezension des Linzer „Ring“-Auftakts folgt hier in Kürze.

Szenenfoto: Monika und Karl Forster für Linzer Landestheater

Alle anderen: Klaus Billand

Klaus Billand

Ring des Nibelungen