ISTANBUL/Opernfestival: Entführung aus dem Serail – NI 3. Juli 2013

Eingang zum Topkapi

Eingang zum Topkapi

Da das Istanbul Opernfestival sich insbesondere Opern widmet, die unter dem Einfluss der Türkisch-Ottomanischen Kunst und Kultur komponiert wurden, die man an historischen Orten der Stadt am Bosporus zur Aufführung bringt, lag das Management mit Mozarts „Entführung aus dem Serail“ vor dem Haupteingang des Topkapi-Palastes, also in unmittelbarer Nähe des berühmten Serails, goldrichtig. Das Bild war an Romantik mit entsprechender Beleuchtung (Fuat Gök) und natürlich als open air Vorstellung kaum zu überbieten. Das Samsun Staatsopern- und Ballett Orchester saß rechts neben dem Publikum und brachte unter der musikalischen Leitung von Tolga Tavis mit einem transparenten und beschwingten Mozart-Sound eine ausgezeichnete Leistung, wobei sogar die Akustik bestens mitmachte. Die in das Ambiente passende klassische Inszenierung der Istanbuler Opernchefin Yekta Kara kam bei sehr guter Personenführung mit viel Spielwitz mit wenigen Requisiten auf einem erhöhten Podium aus (Bühnenbild Ferhat Karakaya) – im wesentlichen die typischen, hier überdimensionierten Kissen des Serail, in denen die Paschas auf ihre Damen gewartet haben sollen… Sanda Zipci zeichnete für die üppigen historischen Kostüme verantwortlich.

Mitwirkende vor Beginn

Mitwirkende vor Beginn

Die einzige Ausländerin in der Sänger-Besetzung war Christiane Boesiger als Konstanze, und gerade sie hinterließ sängerisch den am wenigsten überzeugenden Eindruck. Zwar verkörperte sie die Rolle mit großer darstellerischer Intensität, aber ihre Höhen wie in der Arie „Ach ich liebte…“ klangen zu dünn und angestrengt. Hinzu kam eine völlig unzureichende Diktion. Das türkische Ensemble wartete hingegen mit einer guten bis sehr guten Leistung auf. Nazli Deniz Boran sang ein formidables Blondchen mit klanvollem Sopran bester Mozartscher Prägung, guter Technik und einer famosen Gestaltung mit toller Mimik. Große persönliche Ausstrahlung ging von Tuncay Kurtoglu als Osmin aus, der nicht nur die Szene beherrschte, wenn immer er in Erscheinung trat, sondern mit seiner in der Mittellage kräftigen Stimme entsprechenden vokalen Eindruck machte, wenngleich er nicht über allzu viel Tiefe verfügt und auch nicht alle Spitzentöne voll erreicht wurden. Es war seine Gesamtleistung, mit der er als Protagonist und guter Sängerdarsteller überzeugte. Die einzige Ausländerin in der Sänger-Besetzung war Christiane Boesiger als Konstanze, und gerade sie hinterließ sängerisch den am wenigsten überzeugenden Eindruck. Zwar verkörperte sie die Rolle mit großer darstellerischer Intensität, aber ihre Höhen wie in der Arie „Ach ich liebte…“ klangen zu dünn und angestrengt. Hinzu kam eine völlig unzureichende Diktion. Das türkische Ensemble wartete hingegen mit einer guten bis sehr guten Leistung auf. Nazli Deniz Boran sang ein formidables Blondchen mit klanvollem Sopran bester Mozartscher Prägung, guter Technik und einer famosen Gestaltung mit toller Mimik. Große persönliche Ausstrahlung ging von Tuncay Kurtoglu als Osmin aus, der nicht nur die Szene beherrschte, wenn immer er in Erscheinung trat, sondern mit seiner in der Mittellage kräftigen Stimme entsprechenden vokalen Eindruck machte, wenngleich er nicht über allzu viel Tiefe verfügt und auch nicht alle Spitzentöne voll erreicht wurden. Es war seine Gesamtleistung, mit der er als Protagonist und guter Sängerdarsteller überzeugte.

Osmin mit Pedrillo und Belmonte

Osmin mit Pedrillo und Belmonte

Erdem Erdogan sang einen gefälligen Belmonte mit bester Diktion, aber begrenztem Volumen und nicht allzu großer stimmlicher Resonanz. Hier könnte weitere Arbeit an der Technik sicher noch bessere Ergebnisse bringen, zumal der Sänger sehr bühnenwirksam ist. Emrah Sözer als eingesprungener Pedrillo machte einiges aus der Komik der Rolle, die er aber bisweilen zu deklamativ anging. Okan Senozan war eine würdiger Selim Pascha, sowohl mit der darstellerischen wie stimmlichen Qualität. Der von Bertan Rona einstudierte Chor fügte sich mit guten Stimmen und ebenfalls klarer Diktion bestens in das bisweilen turbulente Geschehen vor dem Topkapi-Palast ein.

Konstanze et al.

Konstanze et al.

Langanhaltender Beifall des zahlreich erschienen Publikums für einen romantisch verklärten musikalischen Sommerabend, der eines zeigte: Die Oper lebt in der Türkei! Es wird höchste zeit, dass die Metropole Istanbul wieder ein entsprechendes, voll funktionsfähiges Opernhaus bekommt.

Fotos: Murat Sen (3,4)
Erste beiden K. Billand (1,2)

Klaus Billand

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