LONDON/Opera Holland Park: “Così fan tutte” – NI 8. Juni 2018

Exzellenter Mozart-Gesang!

Fiordiligi und Dorabella

Fiordiligi und Dorabella

Anlässlich meiner Reise zum neuen „Lohengrin” am Royal Opera House Covent Graden am 7. Juni hing ich einen Tag dran, um einmal die über die britischen Landesgrenzen hinaus nicht allzu bekannte Opera Holland Park (OHP) in London zu besuchen. Diese company führt unter einem Zeltdach in einem schönen Londoner Park, dem Holland Park, alljährlich eine Reihe von Opern mit exquisiten Besetzungen auf. Dieses Jahr waren es vier Neuinszenierungen, und darunter auch eine „Così fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Oliver Platt inszenierte diese Neuproduktion mit der offensichtlich sehr fantasie- und geschmackvollen Ausstatterin Alyson Cummins sowie dem guten Lichtdesigner Rory Beaton.

Despina und die beiden Fremden...

Despina und die beiden Fremden...

Wir sehen ein barockes und äußerst detailliertes Bühnenbild, einen Salon, in dem eine „Così“ abgeht, die bisweilen wie eine Farce wirkt und es wohl auch sein soll. Denn die Abmachung zwischen Alfonso und Guglielmo sowie Ferrando ist ja im Prinzip auch eine Farce, vor allem wenn man an die Durchführung der Wette denkt… Da sind viele sehenswerte Perücken und auch eine Menge Gesichts-Puder zu „bewundern“, sowie ein treffendes orientalisches Outfit der beiden „Verschwundenen“. Eine exzellente Personenregie sorgte dafür, dass sich die Figuren in diesem Salon stets sinnvoll bewegten und eine ständige Spannung aufrecht erhalten blieb.

Fiordiligi und Dorabella lasssen sich beturteln

Fiordiligi und Dorabella lasssen sich beturteln

Die größte Überraschung für mich an diesem Abend war aber das hohe Niveau, mit dem hier Mozart gesungen wurde. Die schottische Sopranistin Eleanor Dennis sang eine ausgezeichnete Fiordiligi mit beeindruckender Höhe, etwas weniger Tiefe, aber durchaus schon mit einem gewissen dramatischen Ausdruck. Ihre Darstellung war schlicht exzellent und sehr engagiert, bei gutem Mienenspiel. Die britische Mezzosopranistin Kitty Whately stand Dennis keinen Deut nach und gestaltete die Dorabella mit ihrem hellen Mezzo und schönem Timbre sowie großem stimmlichem Ausdruck. Als bemerkenswerte Sängerdarstellerin zeigte Sarah Tynan eine kokette Despina, die bei OHP 2013 schon die Adina im „Liebestrank“ gesungen hatte. Ihr Sopran hat schon einen dramatischen Aplomb, welcher ihrer engagierten Rolle im Duett mit Alfonso sehr entgegen kam. Ihre Arie gleich zu Beginn des 2. Akts war einer der Höhepunkte des Abends.

Die Soldaten sind zurück!

Die Soldaten sind zurück!

Bei den Herren sah es ebenfalls sehr gut aus, vielleicht etwas weniger als bei den Damen. Der schon seit 2009 öfters bei OHP eingesetzte Australier Nicholas Lester sang den Guglielmo mit einem klangvollen und facettenreich eingesetzten Bariton bei guter Resonanz und Diktion. Lester könnte sicher auch schon den Wolfram in Wagners „Tannhäuser“ singen. Der Brite Nick Pritchard, der 2014 schon für OHP den Prolog zu „The Turn of the Screw“ gesungen hatte, gab den Ferrando mit starker baritonaler Färbung, aber zu wenig Klangschönheit und Resonanz. Auch Pritchard spielte wie alle anderen sehr authentisch und engagiert. Der schon weit international herum gekommene Peter Coleman-Wright verkörperte einen sehr guten Don Alfonso mit dem gehörigen Schuss Sarkasmus und Zynismus. Alle Sänger hatten in der Tat gute Mozartstimmen.

Die Protagonisten

Die Protagonisten

Der junge chinesisch-australische Dirigent Dane Lam leitete die City of London Sinfonia und den Opera Holland Park Chorus mit Verve sowie starkem Engagement und verstand es, die jungen Sänger gut durch das lebhafte Stück zu bringen. Es wurde so eine „Così“ wie aus einem Guss, offenbar auch bestens einstudiert. Jedem Opernbesucher in London kann ich im Sommer neben ROH und ENO einen Besuch der Oper Holland Park empfehlen. Es lohnt sich, auch wegen des anregenden Ambientes.

Fotos: Ali Wright und Robert Workman

Klaus Billand

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