SALZBURG/Festspiele - Kurzbericht: „L’Italiana in Algeri“ - WA 8. August 2018

Buffo-Oper witzig, aber dennoch mit Fantasie und Tiefgang

Isabella kommt an in Algiers; Foto: Monika Rittershaus

Isabella kommt an in Algiers; Foto: Monika Rittershaus

Gestern Abend erlebte die witzige, aber dennoch tiefgründige Neuproduktion der „Italienerin in Algeri“ von G. Rossini, die bei den diesjährigen Salzburger Pfingst-Festspielen heraus gekommen war, ihre Wiederaufnahme. Und es wurde auch diesmal, als ein Starkgewitter die Festspielstadt in Atem hielt und beim Sokolov-Konzert im Großen Festspielhaus sogar für einen Wassereinbruch sorgte, ein voller Erfolg. Das Publikum war schlicht begeistert. Das lag einmal mehr an der unvergleichlichen Cecilia Bartoli in der Rolle der Isabella, aber auch an ihrem Begehrer Ildar Abdrazakov als Mustafà und der wirklich beeindruckenden Inszenierung von Moshe Leiser und Patrice Caurier in den Bühnenbildern von Christian Fenouillat und den Kostümen von Agostino Cavalca, mit dem Lichtdesign von Christophe Forey.

Isabella und Mustafà; Foto: Ruth Walz

Isabella und Mustafà; Foto: Ruth Walz

Das Leading Team zeigt auf ganz lockere und humoristische Art und Weise „durch die Brille der Komödie“, wie sie ein einem Gespräch mit dem Dramaturgen Christian Arseni sagen, wie sich der Bey Mustafà durch sein allzu naives Begehren nach der feschen, aber für ihn niemals zu handelnden Isabella in sein Schicksal verrennt, an dessen Höhepunkt er gar zum sog. „Pappataci“ gekürt wird, was ihm die Konzentration auf Essen, Trinken, Schlafen und Frauen erlaubt, ohne diese jedoch anfassen zu dürfen. Letzteres wird ihm in seiner Blindheit für die Realität sowie in seiner Selbstverliebtheit aber nicht bewusst. Er kehrt am Ende reumütig zu seiner Ehefrau Elvira zurück kehrt, die trotz seiner bis ins Gröbste gehenden Ablehnung – selbst ein Bauchtanz zur Ouvertüre am Ehebett und eindeutige Annäherungsversuche in demselben reichen nicht aus – niemals aufhört, ihn zu lieben.

Mustafà in Nöten; Foto: Ruth Walz

Mustafà in Nöten; Foto: Ruth Walz

Beeindruckend ist auch, wie die Regisseure die Begegnung der beiden Kulturen zeigen, denen man ja gerade derzeit solch starke Unterschiedlichkeiten unterstellt. Das geschieht hier, in der einfach nur die Menschen und die Menschlichkeit in ihrem jeweils unterschiedlichen kulturellen Kontext gezeigt werden, ohne dass Mustafà gleich einen Turban tragen muss. Stattdessen geht man mit den Klischees Algeriens spielerisch um, zeigt kopulierende Kamele über dem Ehebett und Couscous auf der einen Seite und lässt mal die gesamte italienische Fußballnationalmannschaft, die legendären Azzurris, Spaghetti auf der anderen Seite essen, während das Foto der algerischen Nationalmannschaft von der Wand schaut. Wer schon einmal in Algiers war, kann sich sofort an die bunten Fassaden der ärmeren Stadtviertel mit ihren Balkons erinnern, die vor Satellitenschüsseln nur so strotzen – ein humoristischer Fingerzeig im gelungenen Bühnenbild!

Isabella mit Lindoro; Foto: Ruth Walz

Isabella mit Lindoro; Foto: Ruth Walz

Cecilia Bartoli ist einfach sensationell in ihrer Sängerdarstellerin als Interpretation der Italiana, die ihr wieder mal wie auf den Bauch geschrieben scheint. Hier stimmen in jedem Moment Mimik mit gesanglichem Ausdruck überein, der Humor ist allgegenwärtig. Man erlebt mit ihr, wie der arme Mustafà nach Strich und Faden in die Realität zurück geführt wird, und das alles mit ihrem unvergleichlichen Mezzo, der nicht nur in der Tiefe ihre Manipulation der Männer, auch des Taddeo in dieser Inszenierung, hören lässt, sondern herrliche Höhen und Koloraturen hervor bringt. Sie ist, wenn man so will, wie immer die „Mutter“ der Produktion. Man könnte mit dem Tanzmeister aus der “Ariadne auf Naxos” von Richard Strauss sagen “…da sie immer nur sich selber spielt, findet sie sich in jeder Situation zurecht, die anderen sind auf sie eingespielt, es geht alles wie am Schnürchen.”

Die Azzurris; Foto: Ruth Walz

Die Azzurris; Foto: Ruth Walz

Ildar Abdrazakov beeindruckt als stimmstarker Bassist in der Rolle des Mustafà und befindet sich somit auf Augenhöhe mit der Bartoli. Der junge Uruguayer Edgardo Rocha ist ein wohlklingender heller Tenor für den Lindoro, dessen Timbre manchmal an jenes von Juan Diego Florez erinnert. Rebeca Olvera singt eine ausgezeichnete Elvira und macht aus ihr eine Charakterstudie. Alessandro Corbelli gibt einen guten Taddeo, der sich immer wieder als Depp produzieren muss und nebenbei auch Isabella begehrt. José Coca Loza ist ein serviler Haly und Rosa Bove eine gute Zulma.

Schlussapplaus; Foto: Marco Borelli

Schlussapplaus; Foto: Marco Borelli

Jean-Cristophe Spinosi dirigiert das Ensemble Matheus sowie den von Walter Zeh bestens einstudierten Philharmonia Chor Wien und kann die Leidensschaften, die hier zu sehen sind, mit viel Verve und Empathie zu Klingen bringen. Das war alles sehr gut und lief in intensiver Harmonie mit dem Geschehen auf der Bühne ab. Luca Quintavalle spielte das Hammerklavier. Ein toller Abend in Salzburg, nach dem man ohne Schirm pudelnass werden konnte…

Weitere Aufführungen am 11., 14., 16., und 19. August 2018 im Haus für Mozart.

Klaus Billand

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