Bayreuth: Rückblick auf die Bayreuther Festspiele 2025
Licht und Schatten
Zuschauerraum
BAYREUTH – Die Bayreuther Festspiele im Juli/August 2025 in der fränkischen Stadt, in der Richard Wagner die jährliche Feier seiner Musikdramen begründete, beinhalteten manche Freude, aber auch Enttäuschungen, von einer Neuinszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ bis hin zu Wiederaufnahmen von „Lohengrin“, „Tristan und Isolde“, „Parsifal“ und „Siegfried“ (im Rahmen des „Ring des Nibelungen“).
3. Aufzug Finale
Um die Neuinszenierung der „Meistersinger“ (2. August) adäquat besprechen zu können, sollte man die beiden Vorgänger-Produktionen 2007 von Katharina Wagner und Barry Kosky 2017 in Bayreuth gesehen haben. Das Stück ist bei weitem keine komische Oper, hat aber einen starken humoristischen und satirischen Gehalt, der auch damit zu begründen ist, dass Wagner dieses Werk nach „Tristan und Isolde“ und seiner unerfüllten Liebe zu Mathilde Wesendonck komponierte. Die beiden Vorgänger-Inszenierungen am Grünen Hügel waren stark politisch aufgeladen. Katharina Wagner ging es in ihren „Meistersingern“ 2007 vor allen darum, mit der nationalsozialistisch vereinnahmenden Ästhetik des Werkes in den 1940er Jahren und generell die oft zu erlebende Deutschtümelei, vor allem im 3. Aufzug, abzurechnen. Barry Kosky thematisierte 2017 mit seiner Sicht des Werkes als Jude den Antisemitismus Richard Wagners auf optisch zeitweise sehr plastische Art und Weise.
So wollte man diesmal ganz offenbar die humoristischen und komischen Züge des Werkes in den Vordergrund stellen und wählte Matthias Davids als Regisseur, der vom Musical kommt. Dieses Konzept gelang recht lange überzeugend, bis zum Ende der Schusterstube im Bühnenbild vom Andrew D. Edwards mit teilweise recht komischen Kostümen von Susanne Hubrich und im stilgerechten Licht von Simon Eichenberg. Bis dahin waren sehr ansehnliche Holzdekorationen des aus kleinen Zellen bestehenden Nürnberg zu sehen, mit gut gesetzten humoristischen Seitenhieben auf die Meistersinger-Zunft und ihr bleiernes Regelwerk. In der Schusterstube konnte man in den langen Szenen, vor allem um Sachs herum, große emotionale und musikalische Intimität entfalten. Die Festwiese geriet dann allerdings an die Grenze des Kitsches mit einem übersteigerten Wimmelbild, einer auf einem riesigen Blumen-Bouquet drapierten Eva wie eine Pfingst-Kuh, einer über die ganze Szene aufgespannten aufblasbaren bunten Kuh mit in die Höhe gereckten Beinen und einiger entbehrlicher Gestalten, wie die Ex-Kanzlerin Angela Merkel mit Thomas Gottschalk gleich zweimal (!) auf der Bühne…
Georg Zeppenfel erwies sich als großartiger Sachs mit wortdeutlichem und bestens artikulierendem Bass sowie einnehmender Gestaltung der Rolle bei viel Emotion. Jongmin Park war ein Pogner mit profundem und wohlklingendem Bass. Ganz hervorragend agierte Michael Nagy mit einer Charakterstudie des Beckmesser und klug facettierendem Bariton. Christina Nilsson war stimmlich und darstellerisch fast eine Idealbesetzung als Eva. Michael Spyres wiederholte in dieser 1. Reprise seine gute Leistung von der Premiere als Walther von Stolzing. Er sollte eine interessante internationale Karriere vor sich haben.
Schlussapplaus
Mit Spannung wurde die Rückkehr des ehemaligen Musikdirektors der Bayreuther Festspiele, Christian Thielemann, auf den Grünen Hügel erwartet. Es wurde mit seinem Dirigat der Premiere des „Lohengrin“ am 1. August (und weiterer drei Aufführungen) der wohl stärkste musikalische Abend der Festspiele 2025! Thielemann ist einfach weiterhin der führende Wagner-Dirigent, vielleicht zusammen mit Kirill Petrenko. Und er gehört schlicht und einfach nach Bayreuth! Wie er mit dem Festspielorchester die feinsten und lyrischsten Töne aus dem mystischen Bayreuther Graben zaubert, im Forte nie zu laut wird sowie Sänger-orientiert dirigiert, das macht ihm so schnell keiner nach. Eine Wohltat war, dass das berühmte Vorspiel zum 1. Akt, über das sich Friedrich Nietzsche einst so lobend äußerte, vor geschlossenem Vorhang musiziert wurde. So sollte es immer sein!!
Die Inszenierung ist, de facto, von den Malern Neo Rauch und Rosa Loy, die die Musik des „Lohengrin“ rein malerisch sehen und deshalb allen Wert auf die berühmten dunkel-düsteren Blautöne in den Bühnenbildern legten. Das kontrastierte mit einem hellen Orange im 3. Akt recht gut und ließ dem 2018 eigentlich viel zu spät in die Produktion gekommenen Regisseur Yuval Sharon nur noch wenig Raum, eine auch lebhaftere Personenregie zu formen, als es hier der Fall ist. Daran ändert auch die Idee nichts, dass diese Produktion energielose Brabanter mit hängenden Libellen-Flügeln (!) thematisiert, Lohengrin von außen blitzende Energie bringt, die aber letztlich auch nicht helfen kann angesichts des Zustands dieses Volkes und seiner Selbstzweifel. Dieser „Lohengrin“ ist also recht statisch und lebt im Wesentlichen von den großartigen Sängerdarstellern sowie den zeitweise berückenden Bildern in vielen Blautönen.
Weltklasse-Tenor Piotr Beczala sang den Lohengrin mit phantastischen, in der Tat wie aus einer anderen Welt kommenden Tönen und starkem emotionalem Ausdruck, ein absoluter Hör- und Sehgenuss in seinem stahlblauen Outfit! Elza van den Heever war Elsa mit einem guten und leuchtenden Sopran, der für diese Rolle vielleicht etwas zu hoch liegt. Miina-Liisa Värelä debutierte in Bayreuth als Ortrud. Sie sang ausdrucksstark, konnte aber nicht ganz die Persönlichkeit entwickeln wie einst bei ihrer Ortrud am Salzburger Landestheater in der faszinierenden Regie von Roland Schwab. Andreas Bauer Kanabas sang einen guten König Heinrich.
2. Aufzug
Am 3. August fand die erste Wiederaufnahme von „Tristan und Isolde“ statt. Der bis Bayreuth 2024 Wagner-unerfahrene isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson stellt in den Bühnenbildern von Vytautas Narbutas, den Kostümen von Sibylle Wallum und im Licht von Sascha Zauner vor allem auf die Vergangenheit von Tristan und Isolde ab, auf ihre offenbar sehr lange Vorgeschichte. Sie hätten oder haben sich vor sehr langer Zeit bereits einmal in einem kurzen glücklichen Moment kennen und damals schon lieben gelernt. „Er sah mir in die Augen…“ wird somit zum Keyword der Produktion.
Daraus folgt nun eine Optik und Dramaturgie, die stark rückwärtsgewandt ist. In einem verrosteten Schiffs-Torso befindet sich ein regelrechtes Sammelsurium von Antiquitäten aller Art, in dem die Sänger kaum noch zu erkennen sind. Personenregie ist ohnehin Mangelware. Immerhin hat man einiges gegenüber dem Premierenjahr in Sachen szenischer und dramaturgischer Klarheit verbessert. Überzeugend ist diese Regie aber auch im ersten Jahr nach der Premiere nicht.
Andreas Schager ist nun ein starker Tristan geworden. Er kontrolliert das große Volumen seines Heldentenors besser und findet auch zu facettenreichen Zwischentönen. Camilla Nylund geht die Isolde vor allem lyrisch an, wobei sie mit ihrem überaus kultivierten und zu vielseitigem Ausdruck fähigen Sopran besticht. Der 3. Aufzug wurde somit zum absoluten Höhepunkt des Abends, zumal die beiden Protagonisten Maestro Semyon Bychkov, der bis dahin wieder recht langsame Tempi gewählt hatte, zu einer enormen Steigerung mit dem Festspielorchester zu motivieren schienen. Günther Groissböck war als König Marke sehr eindringlich und wirkte glaubhaft vom Verrat an ihm erschüttert. Ekaterina Gubanova war eine gute Brangäne und Jordan Shanahan ein mitfühlender Kurwenal. Ein „Tristan“, der gegenüber dem Vorjahr szenisch leicht verbessert wurde, musikalisch aber in der Dramatik steigerungsfähig ist.
3. Aufzug Finale
Der „Parsifal“ (17. August) in der Regie von Jay Scheib mit der Bühne von Mimi Lien*, den Kostümen von Meentje Nielsen, dem Licht von Rainer Casper und der für diese erstmals in Bayreuth eingeführten sog. Augmented Reality – AR, ging in sein drittes Jahr. Man wollte das Stück erleben lassen – ursprünglich gedacht für das gesamte Festspielhaus – durch sogenannte AR-Brillen, die man aufsetzt und in denen man zusätzliche Handlungselemente sieht, im erweiterten Rund des Festspielhauses. Diese Augmented Reality war aber eher eine Augmented Phantasy, eine erweiterte Phantasie, und eben keine erweiterte Realität! Denn fast nichts von dem, was in der Brille zu sehen ist, hat etwas mit dem „Parsifal“ zu tun. Ohne die Brille erscheint die Produktion aber zeitweise optisch überzogen.
Das zeigt ein fast endloses Herumfuchteln in der unablässig blutenden Riesen-Wunde des Amfortas (leider keine Pressefotos) und sogar noch in jener des Schwanes in nicht enden wollenden großflächigen Videoeinstellungen von Joshua Higgason und dem ständig störenden Herumwuseln von zwei Kameramännern auf der Bühne. Von der _AR_-Brille redet heute niemand mehr – sie wird als theatralisch unergiebiges und zu kompliziertes sowie schweres Hilfsmittel vom Publikum weitgehend abgelehnt – und mutierte damit zu einem teuren gescheiterten Experiment! So ist die Inszenierung ohne Brille auch nicht das, was sie einmal sein sollte. Man sieht also jetzt in Bayreuth gewissermaßen einen „falschen“ „Parsifal“, was an den falschen Dimitri in Mussorgskis „Boris Godunow“ erinnert…
Andreas Schager ist heute ein Parsifal von Weltklasse, der die komplexen Facetten der Titelrolle sowohl darstellerisch als auch stimmlich mit seinem heldischen Tenor hervorragend umsetzt. Michael Volle glänzte mit seinem herrlichen Bassbariton als Amfortas und steht offenbar im Zenit seiner Kunst. Günther Groissböck war als Einspringer für den erkrankten Georg Zeppenfeld ein souveräner Gurnemanz mit kultiviertem und wortdeutlichem Bass. Ekaterina Gubanova überzeugte als engagierte Kundry im Rahmen einer generell detailliert ausgearbeiteten Personenregie. Jordan Shanahan war ein überzeugender Klingsor mit in dieser Rolle allerdings unzureichender Diktion. Pablo Heras-Casado ist nicht erst mit dem Bayreuther „Parsifal“ zu einem guten Wagner-Dirigenten gereift. Das zeigte sich auch schon bei seinem „Ring“ in der Regie von Robert Carsen in Madrid. Musikalisch war es also gut, szenisch wenig überzeugend!
Viele freie Plätze 2 Min. vor Beginn
Bei der Aufführung am 17. August fiel noch mehr als bei anderen Aufführungen dieses Sommers – wie beim ebenfalls besuchten „Siegfried“ am 18. August – auf, dass eine erhebliche Anzahl von Plätzen zumindest im hinteren Parkett frei blieb. Das Foto zeigt diese freien Plätze rechts um Reihe 20 herum zwei Minuten vor Beginn der Aufführung. Nach der Bitte der ehemals „Blauen Mädchen“, vom Rand in diese mittleren Plätze aufzurücken, setzte eine kleine „Völkerwanderung“ ein. Es blieben dann entsprechend viele Plätze am Rand endgültig frei.
So etwas habe ich in 56 Jahren Bayreuth im Parkett noch nie gesehen! Ja, sicher, vielleicht mal einen oder zwei freie Plätze. Die Frage ist: Warum?! War es bei „Parsifal“ und „Siegfried“ das wachsende Desinteresse an den offenbar – und auch nachvollziehbar – nicht gerade als geglückt wahrgenommenen Inszenierungen, bei „Parsifal“ zudem mit dem gescheiterten und auch noch die Eintrittspreise weiter erhöhenden AR-Brillen-Projekt, ohnehin nur für die hinteren drei Reihen nutzbar? Oder die seit einiger Zeit stark angestiegenen Karten-Preise im Verhältnis zu dem, was im Parkett in den großen Kategorien A1-A4 von 260 bis 352€ (Premieren bis 459€!) geboten wird. Gibt es eine steigende Kosten-Nutzen-Analyse des Publikums? Oder noch etwas anderes? Einige Gedanken dazu unter https://www.klaus-billand.com/deutsch/wagner/der-ring-des-nibelungen/bayreuth-festspiele-siegfried-und-goetterdaemmerung-premiere-3-und-5-august-2022-und-ring-abschlusskritik.html.
Freunde, die in der letzten „Parsifal“-Aufführung waren, in der sogar der Mezzo-Weltstar Elīna Garanča als Kundry auftrat, berichteten, dass in den hinteren drei Reihen 28-30, also genau in jenen, in denen man die AR -Brillen hinzukaufen konnte, signifikante lange Lücken prangten. War es also doch die vom Publikum offenbar wahrgenommene Irrelevanz und Unattraktivität des AR -Brillen-Angebots, so großartig 2023 als aufsehenerregende Neuerung in Bayreuth angekündigt, welches diese Reihen dermaßen leer ließ?
Opheo ed Euridice in Augsburg
Dabei war es gar nichts Neues in Bayreuth! Schon im September 2004 hatte der Linzer Künstler Johannes Deutsch bei der Ars Electronica im Brucknerhaus Linz unter der musikalischen Leitung von Dennis Russel Davies „Das Rheingold“ inszeniert (https://ars.electronica.art/futurelab/de/projects-das-rheingold-visionized/). Das Publikum, ausgestattet mit 3D-Brillen, erlebte am 26. und 28. September eine dreidimensionale Virtual Reality auf einer insgesamt 850 Quadratmeter großen „Bühne“. Auf dieser veränderte oder bewegte sich, gemeinsam mit der Musik, ständig etwas, insbesondere mit auf die Musik reagierenden farblichen Veränderungen auf dem großen Paravent hinter dem Orchester. Das war zeitweise unglaublich eindrucksvoll und sehr kohärent mit der Handlung. Allerdings ging es auch da schon mit dieser Neuerung nicht weiter, unter anderem, weil das Publikum die zusätzliche Sehhilfe nicht annahm und die Poerductionskosten einer solchen visuellen Interpretation sehr hoch sind. So konnte die ursprünglich geplante gesamte „Ring“ nicht zu Ende geführt werden.
Im Jahre 2020 brachte das Staatstheater Augsburg „Orpheo ed Euridice“ von Christopher Willibald Gluck heraus. Während der Aufführung wurde von der Bühne in bestimmten Momenten signalisiert, die wie Schwimmwesten im Flugzeug unter dem Sitz befindlichen Virtual Reality (VR)-Brillen aufzusetzen, um zusätzliche und im Wesentlichen surrealistische Inhalte zu sehen. Auch Euridice nahm sie mit einer Brille auf der Bühne wahr (https://www.klaus-billand.com/deutsch/rezensionen/klassik-ca-1750-ca-1820/augsburg-orfeo-ed-euridice-premiere-10-oktober-2020.html). Immerhin standen diese Inhalte in klarer Beziehung zum Stück und dem für diese Momente jeweiligen Szeneninhalt. Diese Produktion wurde 2021, also relativ kurz for der Bayreuther „Parsifal“-Premiere 2023, in Augsburg wiederaufgenommen.
Man hätte sich das also einmal ansehen und daraus Schlüsse ziehen können, bevor man mit einem so riskanten und kostenintensiven Konzept in Bayreuth loslegt, zumal Jay Scheib bis dahin noch nicht allzu viel mit Wagner zu tun hatte. Immerhin hatte der Patronatsverein, die „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V.“, den Zuschuss zu den Kosten des Projekts auf etwa 300.000€ begrenzt. Damit konnten also gerade einmal die drei hinteren Reihen des Parketts bedient werden, wohl auch wegen des nur dort für die erforderliche Optik gegebenen Einfallswinkels auf die Bühne. In Festspielsommer 2025 redete jedenfalls kaum noch jemand von dem AR -Brillen-Projekt…
Für ein weltbekanntes und nicht nur für Deutschland einzigartiges Opern-Festival mit einem im kommenden Jahr bereits 150-jährigen Bestehen und dem auch daraus resultierenden künstlerischen Anspruch ist das für Bayreuth jedenfalls kein gutes Zeichen, um es diplomatisch auszudrücken. Die Festspielleitung sollte sich vielleicht Gedanken machen, wie es mit der Programmpolitik und den Inszenierungs-Stilen sowie der nachgewiesenen Qualität und wohl auch Erfahrung zu engagierender Regisseure weitergehen könnte. Man sollte auch nicht vergessen, dass bei den letzten drei Bayreuther „Ring“-Produktionen seit 2006 die ursprünglichen und entsprechend groß angekündigten Regisseure durch andere ersetzt werden mussten (L. von Trier/T. Dorst, W. Wenders/F. Castorf, T. Gürbaca/V. Schwarz). Das geschah bisweilen sehr kurzfristig und ließ dem einspringenden Regieteam entsprechend wenig Zeit, eine wohldurchdachte und weitgehend ausgereifte Inszenierung vorzulegen. Zumal es mit der einmal berühmt gewesenen „Bayreuther Werkstatt“ seit etwa jener Zeit auch nicht mehr weit her ist. An großen Opernhäusern weltweit ist es (fast) immer so, dass ein einmal angekündigter Regisseur den „Ring“ dann auch tatsächlich macht – da fährt in aller Regel die Eisenbahn drüber. Hat man da bessere juristische Berater bzw. Arrangements als in Bayreuth?!
2. Aufzug
Die zweite und damit letzte “Siegfried“ -Aufführung am 18. August dokumentierte einmal mehr, dass die Regie dieses „Ring“ des bis Bayreuth 2022 völlig Wagner-unerfahrenen und noch sehr jungen österreichischen Regisseurs Valentin Schwarz eine bisweilen ins Groteske gehende, völlige die Tetralogie de-mythologisierende Konzeption im Stile des Wagnerschen Regisseurstheaters ist. Sie huldigt eher einer banalen Netflix-Ästhetik. Man erkannte offenbar nicht oder zu spät, dass sich dieses Konzept über die immerhin 37 Solisten im „Ring“ (also ohne den Chor der „Götterdämmerung“) einfach nicht durchziehen lässt. Bezeichnenderweise lief dieser „Ring“ 2025 bereits nach nur vier Jahren und sogar nur noch zwei Zyklen im Jahr 2025 aus, wo fünf Jahre und drei Zyklen pro Saison das Normale wären, also insgesamt 15 Aufführungen statt nun nur 11. Es gab Restkarten in großer Zahl…
Sängerisch war es aber besser als szenisch. Denn Klaus Florian Vogt stellte einen kraftvollen Siegfried auf die Bühne, sicher, mit einem hell timbrierten Timbre zwar, aber dennoch vokal beeindruckend, mit einer Rolleninterpretation, die an emotionaler Tiefe und darstellerischer Qualität nichts zu wünschen übrig ließ. Catherine Foster sang wohl zum letzten Mal planmäßig die Brünnhilde, in immerhin schon zwei Inszenierungen am Hügel, wie immer mit ihrem hochdramatischen Sopran klangvoll, wortdeutlich und auch mimisch gut. Tomasz Konieczny ist als Wanderer vokal weiterhin nicht zufriedenstellend. Vokalverfälschungen, gerade beim Forte im 3. Aufzug im Dialog mit Erda, waren wieder zu hören. Und er singt einfach immer zu laut. Dann verliert die Stimme an Klang und Farbe und damit an Persönlichkeit. Anna Kissjudit war eine nicht ganz höhensichere Erda und Tobias Kehrer ein überbesetzter Fafner. Man sollte ihm bald einmal größere Rollen gewähren. Ya-Chung Huang gab einen sehr guten Mime, und Olafur Sigurdarson einen starken Alberich, denn diese Partie kommt seiner Stimme viel besser als der Telramund entgegen. Simone Young am Pult des Festspielorchesters setzte ihre große „Ring“-Erfahrung für einen guten Klang im Festspielhaus ein. Etwas mehr Dramatik wäre dennoch wünschenswert gewesen. Sie wurde möglicherweise auch durch diese Inszenierung unterdrückt, ein Phänomen, dem man sich selbst als erfahrene und versierte Kennerin des Stücks und seiner musikalischen Dimensionen nicht immer entziehen kann.
Der Festspielchor unter der Leitung des neuen Chordirektors Thomas Eitler de Lint sang und agierte an allen Abenden seiner Auftritte trotz der signifikanten und deshalb viel diskutierten Kürzungen im letzten Jahr weiterhin festspielreif.
Fotos: 2, 4-5, 8 Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele; 7 Jan Pieter Fuhr; 1,3,6 K. Billand
Klaus Billand





