Las Palmas de Gran Canaria: Das Teatro Pérez Galdós - das Opernhaus von Las Palmas – April 2021

Kanarisches Kleinod eines Opernhauses

Teatro Pérez Galdós in Las Palmas

Teatro Pérez Galdós in Las Palmas

Schon die weiße Fassade des Hauses aus einer stilgerechten Mischung von weißem Mauerwerk und Lava-Quadern, also dunkelgrauem Gestein, ist außergewöhnlich und fügt sich damit perfekt in den Baustil der Altstadt von Las Palmas, die Vegueta, ein. Was man sich aber bei der Innenausstattung im Zuge einer Renovierung und Erweiterung des Bühnen- und Verwaltungsbaus von 2004-2007 hat einfallen lassen und welch guten Geschmack man dabei entwickelte, das verdient höchste Bewunderung! Im ganzen Haus ist hellbraunes Holz zu Wandpanelen, Türen, in der Bühnenbegrenzung und in den Laufgängen verarbeitet, was sehr viel Wärme bringt.

Foyer Saint Saëns

Foyer Saint Saëns

Dazu passt die scharlachrote klassische Farbe des Parketts, des Bühnenvorhangs sowie der Boxen in den Rängen und der Galerie bestens. Auch wurden die herrlichen und mythisch thematisierten Fresken auf den Wänden des Auditoriums und des Großen Foyers, dem Salon Saint Saëns, wieder instandgesetzt. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn man durch das Haus geht, zumal der Salon mit seinem schwarz-weißen schachbrettgemusterten Boden und den korinthischen Säulenkapitellen. Mit diesem Glanz und seiner künstlerischen Bedeutung ist das Teatro Pérez Galdós heute zu Recht die erste Referenz für das kulturelle Leben von Las Palmas de Gran Canaria.

Im Foyer Saint Saëns

Im Foyer Saint Saëns

Das Haus hat eine lange Geschichte. Am 6. Dezember 1890 öffnete es seine Pforten noch als Teatro Tirso de Molina. Mitte es 19. Jahrhunderts stellte die Gemeinde Las Palmes fest, dass man ein neues Theater brauchte, weil das alte Teatro Cairasco von 1845 Baufälligkeiten aufwies. So bildete sich 1866 eine Aktionärsgesellschaft, die alle im Zusammenhang mit einem neuen Theaterbau entstehenden Fragen in Angriff nahm, natürlich auch das Thema der Sponsoren und großzügigen Spender. Man beschloss, das Haus am Rande der Altstadt direkt am Meer zu bauen, was einige Aufregung in der Stadtbevölkerung verursachte, die sofort den Namen „Teatro Acuático“ kreierte, also das „Wassertheater“. Francisco Jareño Alarcón (1818-1892) aus Madrid wurde als Architekt bestellt, und sein Vertrag wurde am 22. Mai 1869 (immerhin an Richard Wagners Geburtstag!) genehmigt.

Früheres Haus

Früheres Haus

1888 beschleunigte man die Bauarbeiten, um die Oper spielbereit zu haben für den berühmten Tenor Roberto Stagno (1840-1897) – er sang 1890 den ersten Turiddu überhaupt- der auf der Durchreise nach Südamerika – ich vermute zum Teatro Colón in Argentinien – mit seinem Dampfer zum Bunkern halten musste. Man wollte neben der für Gran Canaria künstlerischen Sensation bei dieser Gelegenheit mit einem Recital auch Geld sammeln für das noch nicht fertige Theater, das kurzerhand provisorisch in einen Konzertsaal verwandelt wurde. Aber es geschah ein furchtbares Unglück, als ein italienisches mit einem französischen Schiff im Hafen de la Luz mit 55 Toten verunglückte und man kurzerhand entschloss, die Einnahmen den Verwundeten und Familien der Opfer zu überlassen. Zu Ehren des auch in Gran Canaria überaus beliebten Tenors gibt es nun eine Plaza Stagno.

Benito Pérez Galdós

Benito Pérez Galdós

1890 eröffnete das Theater Tirso de Molina dann offiziell mit „La traviata“ und wurde elf Jahre später anlässlich der erfolgreichen Premiere der „Electra“, eines Schauspiels in fünf Akten des spanischen Schriftstellers Benito Pérez Galdós (1843-1920) im Jahre 1902 nach diesem benannt, ein Jahr nach der Uraufführung in Madrid. In der Nacht des 28. Juni 1918 zerstörte ein Großbrand die gesamte Holzstruktur des Theaters. Der Architekt Miguel Martín Fernández de la Torre führte von 1925-28 die Wiederaufbauarbeiten durch. Sein Bruder Néstor, Künstler und Maler, gestaltete die Innenausstattung, zu denen die bedeutenden Fresken im Salon Saint-Saëns, der Plafond über dem Parkett, die Bühnenumrahmung und der Vorhang zählen. Das ist noch heute herrlich zu bewundern. Am 28. Mai 1928 wurde das Teatro Pérez Galdós mit Verdis „Aida“ wiedereröffnet. Der Bau wurde 1994 von der Regierung von Gran Canaria zum Öffentlichen Kulturgut (BIC) und Monument erklärt. Meines Erachtens sollte auch die UNESCO einmal einen Blick darauf werfen…

Fresken über dem Bühnenportal

Fresken über dem Bühnenportal

Im Jahre 2004 begann eine wesentliche Renovierung mit einer Erweiterung des Theaters, in deren Rahmen ein ganz neues Bühnenhaus errichtet wurde sowie ein Anbau für die Werkstätten und Verwaltungsräume. Im Zuschauerbereich wurde nicht an Fantasie gespart, ja sogar ein kleines Museum hinter einer Scheibe mit Artefakten aus alten Zeiten etabliert. Natürlich durfte da eine Büste von Alfredo Kraus nicht fehlen. Der Saal erstrahlt nun in beeindruckendem Glanz. Mit den Verschönerungen im alten Haus und den baulichen Erweiterungen wollte man den Romantizismus des 19. Jahrhunderts mit den technologischen Neuerungen des 21. Jahrhunderts verbinden. Das ist meines Erachtens vollständig gelungen und macht das Teatro Pérez Galdós heute zu einem der am besten ausgestatteten Opernhäuser Spaniens.

Der Saal des Teatro Pérez Galdós

Der Saal des Teatro Pérez Galdós

Zur Wiedereröffnung am 14. April 2007 führte das das Orquesta Filarmónica de Gran Canaria unter der Leitung seines Chefdirigenten Pedro Halffter Beethovens 9. Symphonie auf. Dazu gab es eine Woche mit verschiedenen Programmen, wobei auch das Orchester des Mariinsky-Theaters aus Sankt Petersburg unter Valery Gergiev zum Einsatz kam. Vom 17. bis 22. April folgte unter Gergievs Leitung mit der bekannten Sankt Petersburger Inszenierung eine vollständige Aufführung von Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“, auch um zu zeigen, über welche technischen und szenischen Kapazitäten das Haus nun verfügt. Damit wurde das Teatro Pérez Galdós auch das erste Haus in Spanien, das den „Ring“ in nur einer Woche aufführte!

Fotos: Klaus Billand

Klaus Billand