Bayreuth/Festspiele: Orchesterkonzert mit dem Israel Chamber Orchestra - 26. Juli 2011

Erstmals spielt ein israelisches Orchester Wagner in Deutschland – ein historischer Moment…

Festspielhaus im Abendlicht

Festspielhaus im Abendlicht

Es war tatsächlich ein historischer Moment, und das merkte man dem zahlreich nach der vorabendlichen „Tannhäuser“-Premiere der 100. Bayreuther Festspiele erschienenen Publikum in der Bayreuther Stadthalle an. Nachdem das Konzert bereits mit der Israelischen Nationalhymne begonnen hatte, erklang ein sorgsam zusammengestelltes Programm, das in symbolischer Art voller Querbezüge steckte. Nach Tzvi Avnis „Prayer“, Gustav Mahlers Rückert-Liedern (in einer Bearbeitung für Streichorchester von Dietrich Henschel – mit ihm als Solist), und Felix Mendelssohn-Bartholdys Sinfonie Nr. 4 A-Dur („Italienische), alle also Komponisten mit jüdischen Wurzeln, folgte der katholische Franz Liszt mit dem „Angelus“ und schließlich Richard Wagners „Siegfried-Idyll“. Alle waren sich der Bedeutung des Augenblicks bewusst, als ROBERTO PATERNOSTRO, seit 2009 künstlerischer Leiter des Orchesters, den Taktstock hob und ihn lange hielt, bevor die ersten Takte eines mit romantisch verklärten zauberhaften Tonfarben musizierten „Siegfried-Idylls“ erklangen. Mit bedächtigen Tempi schien er das Stück fast zu zelebrieren. Auch am Schluss wieder ein langes Innehalten, bevor sich die Begeisterung über diese große Premiere in einem Gefühlsausbruch des Publikums mit standing ovations entlud.

Im Vorfeld hatte es erhebliche Kritik von Holocaust-Überlebenden am geplanten Auftritt des Orchesters mit Wagner erstmals in Deutschland und ausgerechnet in Bayreuth gegeben. Das Kammerorchester hielt gleichwohl an seinem Auftritt fest und leistete damit ganz sicher eine große Geste zur Versöhnung, wie es Bürgermeister Hohl in seiner Ansprache nannte und die auch die Absicht der Verantwortlichen war. Das Konzert fand im Rahmen des Franz Liszt-Jubiläums 2011 der Stadt Bayreuth statt, die unter dem Motto „Lust auf Liszt“ mit einem ganzjährigen Veranstaltungsprogramm den 200. Geburtstag des Klaviervirtuosen und Komponisten feiert. Ihn verband eine intensive, wenn auch ambivalente Beziehung mit seinem Schwiegersohn Richard Wagner. Das Konzert stand unter der Schirmherrschaft der Festspielleiterin Katharina Wagner, die auch selbst anwesend war. Detaillierter Bericht folgt.

Foto: K. Billand

Klaus Billand

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