Sofia: Rigoletto - 20. März 2019

Herzog mit Rigoletto im Palast

Herzog mit Rigoletto im Palast

Die Sofia Opera and Ballet verfügt über ein umfangreiches Repertoire des klassischen Opern-Kanons. Dazu gehört natürlich auch „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi, den ich anlässlich eines Besuchs in der Stadt erleben konnte. Es handelt sich um eine bereits ältere Inszenierung des Generaldirektors der Sofia Oper, Prof. Plamen Kartaloff, noch aus der Zeit vor seinen auch international große Beachtung findenden Arbeiten zu Richard Wagner, mit seinem „Ring“, „Tristan“ und „Parsifal“. Letztere werden ja im Juli diesen Jahres im Rahmen eines Wagner-Festivals wieder zu sehen sein. Der „Rigoletto“ bewegt sich hingegen vollkommen im traditionellen Rahmen dessen, was ein konservativer Verdi-Freund erwarten würde. Gut erscheint die Idee, das Stück mit dem Hofnarren vor einem riesigen Bilderrahmen beginnen zu lassen, der auf seinen Wink das Bühnenbild freigibt. Es wird also sozusagen eine – wahrscheinlich unwahre – Geschichte aus seinem Leben gezeigt, wie das Bild in einem Rahmen nicht notwendigerweise die Realität wiedergibt bzw. geben muss. So wird die Dramatik des Finales etwas abgemildert. Man sieht sozusagen ein Theaterstück des Lebens. Folgerichtig kommt der Bilderrahmen am Schluss, als Rigoletto voller Schmerz über den Tod seiner Tochter die fatale Wirkung des Fluches beschwört, wieder herunter. Das normale Leben kann weitergehen…

Rigoletto mit Gilda

Rigoletto mit Gilda

Lubomir Jordanov hat ein opulentes Bühnenbild für den Hof des Herzogs von Mantua aufgebaut, mit rötlichen monumentalen Säulen und goldenen korinthischen Kapitelen. Im Laufe des Abends werden diese Säulen immer wieder verschoben, um andere Bühnenausschnitte zu bilden. Die Hütte Sparafuciles wird lediglich durch eine alte, vom Schnürboden herunterkommende Türe charakterisiert. Die Kostüme von Elena Ivanova passen historisch zu diesen Bildern. Man merkt ohnehin gleich, dass es Kartaloff in erster Linie auf die Personenführung ankommt. Er zeichnet den Hofnarren wohl genauso, wie Verdi ihn sich vorgestellt haben könnte, als von der Hofgesellschaft diffamierten Krüppel, der innerlich verzweifelt seine Späße“ am Hof treibt, aber im Grunde nur das eine vor Augen hat, das Wohlergehen seiner Tochter Gilda.

Rigoletto bittet um Gilda

Rigoletto bittet um Gilda

Der Gast Carlos Almaguer aus Spanien gestaltete den Rigoletto auch mit einer Intensität, die wohl niemanden ganz ungerührt ließ. Er humpelte mit seinem Buckel und Narrenspiegel über die Bühne und war trotz seiner Behinderung immer der Protagonist des Geschehens. Sein dunkel timbrierter Bariton klingt sehr ausdrucksstark und charaktervoll, verliert in den letzten Höhen allerdings an stimmlicher Kraft. Seine Duette mit Ralitsa Ralinova, die die Gilda verkörperte, gehörten zu den Höhepunkten des Abends, insbesondere auch, weil Ralinova mit einem leuchtenden und mädchenhaft timbrierten Sopran begeistern konnte und damit stimmlich die beste Leistung dieser Aufführung brachte. Auch darstellerisch war sie eine sehr authentische Gilda. Ebenso konnte die noch recht junge und bildhübsche Alexandrina Stoyanova-Andreeva nicht nur schauspielerisch, sondern auch stimmlich mit einem vollen und flexiblen Mezzo in der Rolle der Maddalena überzeugen. Der etwas rau und damit durchaus zur Rolle passend singende sowie grimmig agierende Svetozar Rangelov war zu ihrer emotionalen Darstellung der richtige Gegenpol.

Im Palast de Herzogs von Mantua, vorn Rigoletto mit dem Herzog

Im Palast de Herzogs von Mantua, vorn Rigoletto mit dem Herzog

Kamen Chanev sang, und die Betonung liegt in der Tat auf Singen, den Herzog von Mantua. Das tat er durchaus nicht schlecht, erreichte alle geforderten Noten und Höhen, legte aber auch eine gewisse Steifheit sowohl in der Stimme als auch im Spiel an den Tag. Da hätte man sich mehr Engagement und Intensität der emotionalen Momente gewünscht. Rumyana Petrova sang eine gute Giovanna, Nikolay Petrov einen polternden Monterone und Atanas Mladenov einen stimmschönen, aber eben leider zu wenig singenden Marullo. Stoil Georgiev, Silvana Pravcheva, Nadya Koleva und Georgi Dukov waren in den restlichen Nebenrollen zu hören. Der wie immer von Violeta Dimitrova einstudierte Chor war erwartungsgemäß ein verlässliches Element der Aufführung.

Finale: "La maledizione"

Finale: "La maledizione"

Zhorzh Dimitrov dirigierte das Orchester der Sofia Opera and Ballet routiniert, durchaus mit großem Engagement, was aber bisweilen auch zu einer erhöhten Lautstärke führte. Es waren die Damen und Carlos Almaguer, die an diesem Abend die starken emotionalen Akzente setzten.

Fotos: Svetoslav Nikolov; andere Besetzungen

Klaus Billand

Weitere Komponisten

Rechtliche Informationen

Datenschutzerklärung