Mailand/Teatro alla Scala: Götterdämmerung Premiere – 1. Februar 2026

Ein fulminanter „Der Ring des Nibelungen” schließt sich an der Scala

Die Scala! Ein Traum von Opernhaus...

Die Scala! Ein Traum von Opernhaus...

Schon die ersten drei Abende der Tetralogie von Richard Wagner in der Neuinszenierung von David McVicar mit szenischer Unterstützung von Hannah Postlethwaite an der Scala di Milano hatten durch eine stringente und optisch äußerst ansprechende Ästhetik überzeugt, ja den weitaus größten Teil des Mailänder und ausländischen Publikums begeistert. Besonders begrüßenswert war, dass sich McVicar der Tetralogie aus einer Position von Demut und Achtung vor Wagners opus magnum näherte und endlich einmal wieder den vom Komponisten für so bedeutsam gehaltenen Mythos zur Geltung brachte.

Nornen-Terzett

Nornen-Terzett

Das war auch in der Premiere der „Götterdämmerung“ zu erleben, die nach den ersten drei von Simone Young geleiteten Abenden von Alexander Soddy dirigiert wurde. Man erlebte eine tiefschürfende, aus der Partitur heraus konzipierte und mit dem Ideenkodex Wagners in großem Einklang stehende Produktion, in der die oft mystische Lichtregie von David Finn bei äußerst geschmackvoll farbigen und bisweilen sehr facettenreichen Bühnenbildern eine wesentliche dramaturgische Rolle spielt. Man wird in dieser „Götterdämmerung“ regelrecht durch das Stück getragen.

Der Ring

Der Ring

Dabei leuchtet immer wieder ein riesiger goldener Ring über der Szene auf und stellt szenische Bezüge zu den drei Abenden davor sinnhaft und eindrucksvoll dar. Er bietet variierend immer wieder neue Assoziationen und schafft in der legendären Scala di Milano eine regelrechte „Ring“-Atmosphäre. So ergibt sich auch eine thematische Klammer um diesen „Ring“.

Vorspiel, 1. Aufzug

Vorspiel, 1. Aufzug

Die große Weltkugel aus der „Walküre“ liegt beispielsweise nun zur Hälfte vor der mit Menschenknochen angehäuften Gibichungenhalle im Mittelpunkt einer Gesellschaft, die vollkommen ersoffen ist in einem sinnlosen Goldrausch. Dieser ist so grotesk, dass der Tod hier und da schon lugt. Brünnhilde wird nach ihrer Ankunft auch gleich eine goldene Totenmaske aufgesetzt. Nicht nur hier hat die Kostümbildnerin Emma Kingsbury große Phantasie entwickelt und für Protagonisten wie Statisten sinnfällige und auf die allgemeine Optik perfekt abgestimmte Kostüme geschaffen.

Hagen, 2. Aufzug

Hagen, 2. Aufzug

Im 2. Aufzug wird den fünf heidnischen Göttern gefrönt mit einem grandios singenden, von Alberto Malazzi einstudierten Chor der Scala di Milano, der von einer wild agierenden Tanzgruppe umgeben wird – von Gareth Mole phantasievoll choreografiert.

Brünnhilde 2. Aufzug

Brünnhilde 2. Aufzug

Wieder bestach Camilla Nylund als großartige, lyrisch-hochdramatische Brünnhilde mit einem besonders starken 2. Aufzug, in der ihr alle Spitzentöne bei äußerst engagiertem Spiel bestens gelangen. Klaus Florian Vogt war ihr als Siegfried ein ebenbürtiger Partner mit viel Emotion in der Stimme und perfekter Diktion.

Die Rheintöchter mit Siegfried 3. Aufzug

Die Rheintöchter mit Siegfried 3. Aufzug

Günther Groissböck sang mit sehr guter Theatralik seinen ersten Hagen, den er gesanglich betonte, im Mittelaufzug aber auch mit einiger Finsternis anreicherte. Ein gelungenes Rollendebut! Nina Stemme gab eine formidable Waltraute und machte die Auseinandersetzung mit Nylund zu einem Höhepunkt des Abends. Johannes Martin Kränzle war wieder ein exzellenter Alberich.

Sieglinde und Siegmund mit dem toten Siegfried

Sieglinde und Siegmund mit dem toten Siegfried

Alexander Soddy schuf mit dem Orchester des Teatro alla Scala einen insgesamt sehr guten Wagner-Sound, wobei immer wieder die exzellenten Hörner und Celli hervortraten. Das Schlagwerk hätte hier und da – wie schon zuvor – etwas zurückhaltender agieren können. Man merkte dem Orchester jedoch die mit dieser Produktion offenbar weiter gestiegene Wagner-Kompetenz an.

Brünnhilde im Finale

Brünnhilde im Finale

Der neue Mailänder „Ring“ dürfte, gemeinsam mit jenem an der Nationaloper Sofia, nun die derzeit wohl eindrucksvollste und dem Gesamtkunstwerk-Gedankens der Tetralogie Richard Wagners thematisch und szenisch am nächsten kommende Inszenierung in Europa und möglicherweise auch weltweit sein.

Fotos: Brescia e Amisano / Teatro alla Scala 2, 4-9: K. Billand 1,3

Klaus Billand

Kurzkritik auf Youtube unter: https://www.youtube.com/watch?v=g6W35EXGUJg&t=49s

Der Ring des Nibelungen

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