Zürich: Götterdämmerung Premiere – 5. November 2023
Unmögliche Liebe in der gründerzeitlichen Villa
Der „Ring des Nibelungen“ in der Regie von Andreas Homoki an der Oper Zürich schloss sich nun mit der „Götterdämmerung“, und das Wichtigste zuerst: Die Aufführung wurde zu einem Triumph für die Rollendebutanten Camilla Nylund, die in dieser Produktion bereits mit der „Brünnhilde“ am 1. und 2. Abend, und Klaus Florian Vogt mit dem jungen Siegfried debutiert hatten. Durchaus nicht in das Schema der klassischen Hochdramatischen passend, meisterte Nylund nicht nur problemlos alle dramatischen Anforderungen der Partie. Sie gestaltete sie dabei durchgängig emotional und immer wieder auch sehr lyrisch mit einer vornehmlich gesanglichen Note, bei größter Dramatik im 2. Aufzug und großer Wortdeutlichkeit.
Ähnliches ist auch von Klaus Florian Vogt zu sagen, der den Siegfried wieder mit der großen Gesangskunst seines für die Rolle verhältnismäßig leichten und damit aber beweglicheren Tenors gestaltete. Mit einer schier unendlichen Energie sang er die Waldvogel-Erzählungen, als sei es der 1. Aufzug, und das bei bester Diktion. Sein finales „Brünnhilde, heilige Braut…“ geriet erschütternd! Darstellerisch agierte er überaus authentisch.
Christopher Purves brillierte als gesangsbetonter Alberich und gutem Spiel. Der junge David Leigh blieb als Hagen vokal – wenn auch mit kraftvollem Bass – etwas eintönig und hatte auch nicht die nötige Finsternis eines bedrohlichen Hagen. Daniel Schmutzhard sang einen klangschönen, theatralisch marginalisierten Gunther, und Lauren Fagan überzeugte als Gutrune stimmlich und spielerisch. Sarah Ferede setzte als Waltraute starke Akzente.
Der Zürcher GMD Gianandrea Noseda führte seinen bisherigen Stil fort, den „Ring“ in einem „bellinesken Stil“ mit viel Detail in den Einzelinstrumenten zu erzählen, dabei insbesondere ab dem 2. Aufzug auf die große und dann auch zügigere Linie achtend, auch wenn mit der Philharmonia Zürich manchmal einiges zu laut geriet. Der von Ernst Raffelsberger einstudierte Chor sang demgemäß äußerst kraftvoll. Die neue Zürcher „Götterdämmerung“ ist musikalisch eindrucksvoll.
Andreas Homoki legte diesen neuen Zürcher „Ring“ weitgehend deutungsfrei an, als Kammerspiel in den sich oft mehr als nötig und nachvollziehbar drehenden und damit immer neue Spielfluchten öffnenden Wänden einer gründerzeitlichen Villa von Christian Schmidt, der auch die Kostüme schuf, nicht ganz überzeugend jenes von Hagen, der wie ein Ersatz-Jesus aussah. Franck Evin kümmerte sich um die Lichtgestaltung.
Nach „Siegfried“ erschienen die Wände nun wieder weiß, aber mit kräftigen Verfallsspuren im Lack. Wirklich neue Bilder kamen kaum vor. Man sah immer wieder die verkohlte Weltesche, die weißen Betten der Rheintöchter und das goldene von Siegfried und Brünnhilde, sowie deren Felsen, um den nun die Nornen wuselten. Im Finale saß Wotan zusammengesackt vor der brennenden Burg Walhall im Gemälde aus dem „Rheingold“.
Wenn man eine Drehbühne einsetzt wie hier, sollte man eigentlich auf Vorhänge verzichten (können). Diese sind vor „Siegfrieds-Rheinfahrt“ und dem „Trauermarsch“ zu rechtfertigen, keineswegs aber, wenn sie viermal im so homogen komponierten Finale herunterkommen, um dreimal neue Bilder zu präsentieren, die im Übrigen nicht ganz der musikalischen Aussage Wagners entsprechen, was aber eigentlich beabsichtigt war…
Fotos: Monika Rittershaus
Klaus Billand





