Baden-Baden: Lohengrin - NI 5. April 2026

Piotr Beczaöa als göttlicher Lohengrin

Alljährlich bringen die Osterfestspiele Baden-Baden unter einigen hochkarätigen Konzerten auch eine bekannte Oper heraus, in der Regel eine des Mainstreams. Diesmal war es die Romantische Oper „Lohengrin“ von Richard Wagner, die dreimal gespielt wurde. Hochkarätig war in der Tat auch ihre musikalische Seite.

Denn die Osterfestspiele konnten den derzeit wohl weltbesten Lohengrin, Piotr Beczala, engagieren, der mit ebenso erstklassigen Kollegen unter der Stabführung von Joana Mallwitz mit dem Mahler Chamber Orchestra auftrat. Mit seiner Gesangskunst des astralen und in einem eleganten schneeweiß gefiederten Kostüm des Schwanenritters von Gesine Völlm scheint Beczala nun auf dem Zenit seiner Kunst. Man könnte tatsächlich sagen, dass seine hochemotionale und technisch erstklassige Interpretation der Titelfigur mit seinem lyrisch dramatischen Duktus nun die Grenzen der vokalen Göttlichkeit streift. Entsprechend war auch die Reaktion des Publikums im nicht ganz ausverkauften Haus am Schluss.

Rachel Willis-Sørensen war Piotr Beczala eine jugendliche blonde Elsa auf Augenhöhe mit klangschönem und gut geführten Sopran, darstellerisch etwas verhalten. So hätte die Auseinandersetzung mit Lohengrin im 3. Akt spannender werden können. Wolfgang Koch spielt intensiv den an sich verzweifelnden Telramund vokal hochwertig mit seinem hoch gelegenen Bassbariton. Tanja Ariane Baumgartner treibt als Ortrud seinen Untergang als Chefin des boshaft ränkeschmiedenden dunklen Paares mit ebenfalls hoher Mezzo-Souveränität und facettenreicher Darstellung entschieden voran.

Kwangchul Youn war erneut ein respektvoller König Heinrich und Samuel Hasselhorn ein prägnanter Heerrufer mit bester Diktion. Verwundern mussten die Masken von Telramund und Heinrich, wobei erster eher Karl Max glich, also viel zu alt wirkte, und letzterer einem Landstreicher glich, ganz und gar unköniglich! Unklar, was Gesine Völlm da an Konzeptlosigkeit geritten hat. Ortrud trumpfte hingegen mit einem kunstvoll gesteckten, eleganten und widderartigen Putz auf, ideal für eine Fricka!

Johannes Erath, von seiner Herkunft aus dem Schwarzwald geprägt, führte Regie und assoziierte die gesamte Aufführung mit einem schemenhaft tiefschwarz-grauen Wald, da von diesem etwas Märchenhaftes, auch Düsteres ausgehe. Und er sieht im „Lohengrin“ völlig zu Recht ein trauriges Märchen für Erwachsene. Vor diesem Hintergrund öffnet sich in dem die Bühne umgebenden rechteckigen Leuchtrahmen immer wieder ein weiter Ring, in dem die Handlung spielt.

Wie schon in der „Lohengrin“-Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff bei den Osterfestspielen Baden-Baden 2006 gab es auch hier eine zentrale große Treppe. Nur war die Treppe von Bühnenbildner Herbert Murauer diesmal rund und wirkte auch mit den Videos von Bibi Abel wie ein Fokus des Geschehens. Oft erschien sie wie die Iris eines menschlichen Auges, das wirkte sehr ansprechend.

Die beiden Ehebetten Kopf an Kopf mit dem dunklen Paar vorn und Elsa nach Drehung dahinter im 2. Akt wirkten hingegen deplatziert. Das kaum enden wollende Feuerwerk nach Lohengrins Sieg über Telramund im Finale des 1. Akts streifte die Grenzen des Kitsches und ließ mit einigen anderen szenischen Elementen den Eindruck eines allzu großen Dekorativismus und so einer gewissen dramaturgischen Beliebigkeit aufkommen.

Dazu trugen auch die wie Selbstfahrer auf einer Kirmes wirkenden Schwanenboxen mit großen Hälsen und knallroten Schnäbeln während des Hochzeitsmarsches zu Beginn des 3. Akts bei – relativ entbehrlich und unnötig aktivistisch.

So blieb das grandiose Orchester unter der kompetenten und engagierten Leitung von Joana Mallwitz und den Sängern das Beste des Abends. Dabei sollte auch der ebenso grandiose wie große Chor mit wohl über 80 Sängern genannt werden, elementar im „Lohengrin“. Er setzte sich aus dem Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn unter der Leitung von Petr Fiala und dem Philharmonia Chor Wien unter der Einstudierung von Walter Zeh zusammen. Absolut erstklassig!

Fotos: Martin Sigmund 3-8; K. Billand 1-2,9

Klaus Billand

YouTube podcast unter: https://www.youtube.com/watch?v=zA4uwPLM4cA&t=2s

Lohengrin

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