WIEN - Amtshaus Wieden: Passion Artists - „Viva Verdi, Viva Wagner“ - 9. Oktober 2013

Sabina Zapior

Sabina Zapior

Auch die Wiener Passion Artists unter der Leitung ihrer Intendanten Sabina Zapior aus Polen haben mit zwei facettenreichen und ebenso lebhaften wie humorvollen Konzerten mit Theater der beiden Jahresregenten Verdi und Wagner gedacht. Am 9. Oktober gab es eines im Amtshaus Wieden, wie immer bei den PA war der Abend gut besucht. Zapior konnte das Publikum wieder zum Mitsingen bewegen. Mittlerweile haben die PA bereits über 200 Vorstellungen hinter sich und sind eifrig mit der Ausweitung und Diversifizierung ihres Programms beschäftigt. Und immer wieder gibt es neue junge Stimmen – ein kleiner Talentepool, fast unbemerkt im musiklastigen Wien… Am Klavier begleitete kompetent die Japanerin Akari Komiya, die am Doshisha Women’s College of Liberal Arts in Kyoto studierte, derzeit an der Universität für Musik und darstellende Kunst Klavier und Kammermusik studiert und mit einer Violinistin und einem Cellisten „Le Trio“ gründete.

Magdalena Kaleta und Sabina Zapior

Magdalena Kaleta und Sabina Zapior

Zu Verdi und Wagner gab es einen bunten Reigen von Arien, Monologen, Duetten, Terzetten und Quartetten aus ihren bekanntesten Opern, sowie Liedern. Im Verdi-Teil saß der Jubilar sogar in Person des ihm etwas ähnlich (gemachten) Schauspielers Arno Aschauer auf der Bühne, der mit viel Humor die Liebesbekundungen entgegen nahm. Es begann mit Reverenza… aus „Falstaff“, mit der Arie Merce, dilette amiche aus „I vespri Siciliani“ sowie der Arie des Procidas O, toi Palerme aus derselben Oper. Dann kam ein Lied sowie das Terzett Ah piu non… aus „Rigoletto“ und die Arie der Aida Ritorna vincitor! sowie jene des Fiesco A te l’estremo addio aus „Simon Boccanegra“. Den Abschluss bildeten die Cavatine der Leonora aus „Il Trovatore“ und das berühmte Va pensiero, das schließlich auch zum Mitsingen anregte, sogar noch ein zweites Mal am Ende des Konzerts als Publikumswunsch.

Sabina Zapior als Elsa

Sabina Zapior als Elsa

Die polnische Sopranistin Magdalena Kaleta, schon seit langem bei den PA, hat für den Verdi eine mittlerweile schon recht dramatische Stimme, sie konnte auch schon einmal mit einer guten Senta-Ballade überzeugen. Hier und da gab es leichte Intonationsunsicherheiten. Beachtlich ist ihre klang- und charaktervolle Mittellage. Der junge französische Bassbariton Frédéric Pfalzgraf, der in Lyon und Wien Gesang studierte, ließ zu wenig Resonanz hören und wirkte im Vortrag etwas rustikal, hatte aber eine gute Tiefe. Er war immerhin schon als Figaro in „Le Nozze di Figaro“, Leporello und Umberto in „La Serva Padrona“ in kleinerem Rahmen zu hören.

Der Walkürenritt à la PA, S. Zapior, M. Kaleta, K. Ledoux

Der Walkürenritt à la PA, S. Zapior, M. Kaleta, K. Ledoux

Nach der Pause ging es dann mit Wagner richtig furios weiter. Sabina Zapior, Magdalena Kaleta und die neu zu den PA gestoßene Pariser Mezzosopranistin Katia Ledoux, die seit 2007 an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studiert und 2008 den 1. Preis beim Gesangswettbewerb „Prima la Musica“ bekam, wollten es richtig wissen. Sie intonierten im Terzett ein tolles „Hojotoho“ aus „Die Walküre“, wobei sie mit den drolligen Wagnerschen Stierhörnern auftraten. Ein fulminanter Auftakt, interessant choreografiert und mit durchwegs kräftige Stimmen. Nicht nur konnte hier Ledoux mit ihrem klangvollen und gut geführten Mezzo beeindrucken, sondern Sabina Zapior ließ durchblicken, dass ihr jugendlich dramatischer Koloratursopran mit der Zeit noch dramatischer geworden ist. Die Spitzentöne machten ihr keine Probleme, die Intensität in der darstellerischen Gestaltung ist ohnehin immer wieder bemerkenswert.

Das Ensemble

Das Ensemble

Dass sie aber auch ganz anders kann, zeigte sie mit einer fast kontemplativen und mit viel emotionalem Ausdruck vorgetragenen Arie der Elsa aus „Lohengrin“ Einsam in trüben Tagen… Im Terzett der Rheintöchter mit Weia! Waga! Woge du Welle! ging es dann wieder lebhafter weiter, mit einem wallenden blauen Tischtuch als Rheinsimulation – die Rheintöchter als ihre eigenen Bühnenarbeiterinnen, keine schlechte Idee in Zeiten der gerade von Dominique Myer wieder beschworenen (zu) knappen Mittel… Auch die Arie der Elisabeth Dich, teure Halle grüß ich wieder… sang Zapior stimmkräftig und prägnant, mit bester Diktion. Dazwischen gab Frédéric Pfalzgraf mit seiner guten Tiefe die Arie des Daland Mögst du, mein Kind… aus dem „Fliegenden Holländer“ und mimte mit Zapior zum Abschluss einen Teil der Szene Brünnhilde-Wotan aus „Die Walküre“. Zuvor konnte man Magdalena Kaleta mit ihrem farbigen, dunkel getönten Sopran das Lied „Schmerzen“ aus den Wesendonck-Liedern hören. Das letzte Wort nach diesem endrucksvollen Abend behielt aber Verdi mit den Goldenen Schwingen aus dem Publikum unter stimmkräftiger Anführung der Solisten.

Fotos: Klaus Billand

Klaus Billand