Barcelona/Gran Teatre del Liceu: Tristan und Isolde NI – 27. Januar 2026

Lise Davidsen als große Isolde

Nach dem „Lohengrin“ in der umstrittenen Regie von Katharina Wagner im vergangenen Jahr widmete sich das Gran Teatre del Liceu in Barcelona im Januar wieder einem großen Werk des Bayreuther Meisters, seinem opus summum „Tristan und Isolde“. Das Haus unterstrich somit einmal mehr seine intensive Wagner-Pflege vor einem offenbar auch äußerst sachverständigen, überwiegend katalanischen Publikum. Für die Regie wählte man die katalanische Regisseurin Bárbara Lluch, die im November am Teatro Colón in Buenos Aires durch eine wenig überzeugende Regie der „Salome“ von Richard Strauss aufgefallen war.

Hier wie dort hat es den Anschein, dass Lluch mit dramaturgischer Unterstützung von Yvonne Gebauer die dramatische und emotionale Intensität der Stücke in einer vornehmlich auf psychologische Aspekte abzielenden Regie umschifft. Sie setzt auf einen übertrieben wirkenden Minimalismus, der die musiktheatralische Spannung reduziert. Die szenischen Lösungen erstrecken sich in wenigen, bisweilen rotierenden geometrischen Podesten. Zu Beginn sieht man ein dunkles Gelage, dass sich – mit einigen unerklärlichen Figuren – über Isoldes Schicksals lustig macht.

Lise Davidsen

Lise Davidsen

Hinzu bringt Lluch Statisten, die zwar manchmal durchaus dramaturgisch bedeutende Nebenrollen spielen, aber in keiner Weise mit dem Inhalt des Stückes zu begründen sind, ja sogar rein willkürlich erscheinen.

Mit Ekaterina Gurbanova

Mit Ekaterina Gurbanova

Das Bühnenbild mit der nur wenig variierenden Lichtregie von Urs Schönebaum erschöpft sich in Schwarz-Grau-Tönen, mit allerdings geschmackvollen Kostümen von Clara Peluffo. Abstraktion und Reduktion waren Trumpf…

2. Aufzug Isolde wartet auf Tristan

2. Aufzug Isolde wartet auf Tristan

Die musikalische Seite des Abends war allerdings von erster Güte. Lise Davidsen verkörperte eine Isolde von königlichem Format, attraktiv und elegant in ihrer Erscheinung und in der Aktion, wobei die Intensität der Rollengestaltung bisweilen noch etwas zu kurz kommt. Ihr Sopran ist kraftvoll und potent. Sie projiziert ihn mit großer Opulenz auf den Wogen der Musik in den Saal, wobei sowohl die Spitzentöne wie auch eine mittlerweile breiter gewordene Tiefe und die fließenden Wechsel vom Forte ins Piano überzeugen. Ein intensiverer Gebrauch der Bruststimme könnte noch einiges optimieren.

Mit Clay Hilley

Mit Clay Hilley

Clay Hilley war als Tristan neben dieser fast übergroßen Erscheinung der Isolde darstellerisch etwas im Nachteil, bemühte sich aber mit seinem kraftvollen, aber nie die wünschenswerte Wärme und auch Resonanz ausstrahlenden Heldentenor redlich, auf Augenhöhe mitzuhalten.

Brindley Sheratt als Marke

Brindley Sheratt als Marke

Brindley Sherratt überraschte mit einem glanzvollen Marke-Monolog, wortdeutlich und emotional im Ausdruck mit der tief sitzenden Erschütterung des erlittenen Verrats. Tomasz Konieczny gab einen sehr guten Kurwenal, eine Rolle, die ihm, wie der Alberich, offenbar perfekt liegt. Ekaterina Gubanova war wieder die bewährte Brangäne und harmonierte bestens mit der Isolde von Davidsen.

Davidsen und Hilley beim Schlussapplaus

Davidsen und Hilley beim Schlussapplaus

Susanna Mälkki dirigierte das Orquestra Simfònica del Gran Teatre del Liceu mit ruhiger und in den dramatischen Momenten sehr akzentuierter Hand, womit bisweilen ein nahezu kammermusikalisches Klangbild entstand. Mit den guten Stimmen auf der Bühne ergab sich somit der Eindruck einer musikalisch geschlossenen „Tristan“-Interpretation. Folgerichtig bekamen Lise Davidsen und Susanna Mälkki auch den weitaus größten Applaus.

Fotos: Sergi Panizo Fotografia 3-7, K. Billand 1-2, 8

YouTube: Kurzkritik unter https://www.youtube.com/watch?v=8ORUD5WNIos&t=57s

Klaus Billand

Tristan und Isolde

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