Landshut: Götterdämmerung - NI 5. Mai 2023
Niederbayerischer „Ring des Nibelungen“ vollendet
Szene mit Brünnhilde
Das Wichtigste zuerst! Mit dem Abschluss von Wagners „Ring des Nibelungen“ mit der „Götterdämmerung“ am Niederbayerischen Landestheater in Landshut ist dem Intendanten und Regisseur Stefan Tilch mit seinem Bühnenbildner Karlheinz Beer, der Kostümbildnerin Ursula Beutler und der Choreografin Sunny Prasch ein Weitwurf gelungen, zu dem Basil H. E. Coleman mit der durch einige Musiker verstärkten Niederbayerischen Philharmonie und dem von Eleni Papakyriakou bestens einstudierten Chor musikalisch wesentlich beitrugen. Hier hat sehr viel Begeisterung und Herzblut zu einem generell guten Ergebnis geführt, einer Tetralogie, in der das story telling im Vordergrund steht und die somit auch Wagner-Neulinge problemlos verstehen können.
Brünnhilde Maamar
Es beginnt gleich mit einem exzellenten Prolog der Nornen vor einem Zitat Wotans aus der „Walküre“ „Nur eines will ich noch, das Ende“. Damit unterstreicht das Regieteam um Stefan Tilch, dass es ihm auch um die mythischen Dimensionen des Stückes geht, was später durch das wiederholte Auftreten der wie aus mythischer Vorzeit wirkenden Figur des Alberich verstärkt wird. Immer wieder sind zudem die Statuen der hier ja nicht mehr auftretenden Götter Wotan, Fricka und Donner zu sehen. Allerdings stehen sie in einem nicht ganz schlüssigen subtropischen „Götter-Funpark“, der – mit hyperaktiven Papageien und Kolibris – wohl einen Schwenk der Göttersphäre in die Unterhaltungskategorie dokumentieren soll, die sich dann in der Mannen- (und Frauen)Szene als einer völlig veralberten Freizeittruppe umso stärker offenbart.
Rheintöchter
Das trägt zu einer Reihe von szenischen und dramaturgischen Aktionen bei, die nicht unbedingt einleuchten und noch weniger überzeugen. Die Vermischung von Mythos, eben sehr gelungen im Auftritt der Nornen und Alberichs sowie der Referenz an die einst alles bestimmenden Götter, findet mit einer hyperbanalisierten Darstellung von Gunther und Gutrune eine bedenkliche dramaturgische Verwässerung. Hier passte einiges nicht mehr zusammen und wirkte wie der Wunsch, von allem möglichst etwas zeigen zu wollen.
Dirigent mit Protagonisten
Stimmlich war hingegen viel Wohlklang zu vernehmen, vor allem von Yamina Maamar als vokal kraftvoller Brünnhilde mit beeindruckendem Charisma und guter Mimik, Oliver Weidinger als souveränem und klangvollem Alberich sowie Peggy Steiner als Gutrune. Michael Heim meisterte den Siegfried bis auf einige stimmliche Probleme am Schluss ansprechend. Judith Gennrich sang eine nachdrückliche Gutrune und Peter Tilch einen guten Gunther. Auch Nornen und Rheintöchter konnten voll überzeugen. Der Hagen von Heeyun Choi klang vokal noch etwas rustikal und allzu sehr mit seinem Handy beschäftigt, um wirklich Gefahr auszustrahlen.
Schlussapplaus Ensemble
Basil H. E. Coleman dirigierte wieder mit großem musikalischem Engagement und stets gutem Kontakt zum Bühnengeschehen. Streckenweise geriet einiges allerdings zu laut, was eigentlich als einziger Grund für die ansonsten unnötig erscheinende akustische Verstärkung von Sängern und Chor durch Microports erschien.
Es soll in der kommenden Saison mit Wagner weiter gehen. Man hat an Isar, Donau und Inn offenbar Blut geleckt…
Fotos: Peter Litvai 1, K. Billand 2-5
Klaus Billand





